Das war's von uns aus Luzern. Die Ranglisten finden Sie nächstens auf der Webseite.
Vielen Dank für Ihr Interesse und bis zum nächsten Mal!
Die Resultate der Höchstklasse:
Jury:
Teststück: Chris King, Margie Antrobus, Mathias Wehr
Selbstwahlstück: Magnus Brandseth, Frode Rydland, Andrew Duncan
Teststück: Genetic Code (Thomas Doss)
Rangpunkte Teststück/Selbstwahlstück = Total
1. Valaisia Brass Band (Arsène Duc): 1/1 = 2
2. Brass Band Treize Etoiles (Frédéric Théodoloz): 2/2 = 4
3. Brassband Bürgermusik Luzern (Michael Bach): 3/3 = 6
4. Ensemble de Cuivres Valaisan (Jean-Francois Bobillier): 4/5 = 9
5. Oberaargauer Brass Band (Roland Fröscher): 8/4 = 12
6. Brass Band Berner Oberland (Véronique Gyger): 5/10 = 15*
7. Liberty Brass Band (Stefan Roth): 6/9 = 15
8. Ensemble de Cuivres Mélodia (Vincent Baroni): 7/8 = 15
9. Brass Band Fribourg (Adrian Schneider): 9/6 = 15
10. Ensemble de Cuivres Jurassien (Thomas Wyss): 10/8 = 18
*Das bessere Teststück entscheidet bei Punktgleichheit
Bestes Flügelhorn: Brass Band Treize Étoiles
Bester Solist im Selbstwahlstück: Jéremy Coquoz, Soprano Cornet, Brass Band Treize Étoiles
Unsere Vorhersagen
Hier ist unsere Vorhersage für die Selbstwahlstücke der Höchstklasse. Interessanterweise ist die Schweizer und die britische Sicht genau gleich. Was überhaupt nicht bedeutet, dass wir recht haben werden (siehe gestern).
BRASS BAND NEWS/4barsrest-Vorhersage:
- Valaisia Brass Band
- Brassband Bürgermusik Luzern
- Brass Band Treize Étoiles
- Brass Band Berner Oberland
- Ensemble de Cuivres Valaisan
- Brass Band Fribourg
Chris King, Margie Antrobus und Mathias Wehr werden sich nun Gedanken über die Rangliste machen und wir werden um 17.30 Uhr die Resultate erfahren.
Vergessen Sie nicht, Ihre Rangliste in der BrassApp zu erstellen, um zu beweisen, dass Sie ein Kenner oder Kennerin sind.
Startnummer 10: Oberaargauer Brass Band (Roland Fröscher)
Die OBB startet mit königlicher Macht in das Werk und setzt gleich eine kräftige Duftmarke zu Beginn. Die Imitation der Schofarhörner in den verschieden positionierten Gruppen gelingt und kündigt die anschliessende Zerstörung bedrohlich an.
Die Meditation lässt uns in Gedanken schwelgen und zur Ruhe kommen. Doch der Komponist lässt uns nicht allzu lange Zeit dafür, sondern erzählt die Geschichte mit filmreifer Musik weiter. Die Oberaargauer setzen die Dramatik geschickt um.
Das Posaunentrio spielt als gäbe es kein morgen und die Band lässt sich davon mitreissen. Ein bisschen Zurückhaltung hätte teilweise der Dramatik keinen Abbruch getan, gewisse Perkussionseffekte waren sehr laut.
Der überzeugende Auftritt der Oberaargauer Brass Band mit Dirigent Roland Fröscher schliesst damit einen spannenden Wettbewerbstag mit viel Elan ab.
MVP: Posaune
Michael Franz
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An einem Tag voller Selbstwahlstücke von biblischem Ausmass schlossen wir den Tag gebührend mit der letzten Aufführung ab. Sie wurde von Anfang an mit wahrhaft evangelistischem Eifer gespielt und vom musikalischen Leiter hervorragend aufrechterhalten. Die Musiker reagierten ebenso – vom Soprano Cornet, der sich in himmlischer Sphärenhaftigkeit wie zu Hause fühlte, bis hin zur geschmeidigen Posaune, dem lyrischen Flügelhorn und dem Schlagzeugteam, das ihre exotischen Stimmen mit einem feinen Gespür für Klangfarbe, Textur und Wirkung spielten.
Nur stellenweise ging etwas von der Geschlossenheit verloren, als sie versuchten, die Extreme der Dynamik auszuloten. Doch dieses Spiel zeugte von tiefer Überzeugung. Ein fantastisches, mitreissendes Finale mit „Feuer und Schwefel“ rundete den Abend ab.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: Jesus in Tibet (Simon Dobson)
Simon Dobsons Werk greift die Annahme auf, dass Jesus Christus den Grossteil seiner Jugend und seines Erwachsenenlebens nicht in Judäa, sondern weit entfernt verbracht haben könnte. Es gibt keine direkte biblische Erwähnung seiner Zeit zwischen 12 und 30 Jahren – eine Lücke, die sich durch Reisen auf der Suche nach der Reinheit der östlichen Philosophie erklären liesse.
Erwähnung findet er jedoch im Evangelium des Heiligen Issa (Issa ist der arabische Name Jesu), das in einem Kloster im Himalaya gefunden wurde. Es berichtet von einem Propheten, der sich in Tibet den buddhistischen Lehren widmete. Der Komponist erkundet dies in fünf miteinander verbundenen Sätzen: Der erste, „Drei Könige aus dem Osten“, bezeugt seine Geburt und prophezeit zugleich seine Berufung in den Orient. „Lieder des Zweiten Tempels“ kündigt die Zerstörung des Herodes-Tempels und die Klänge der alten Schofarhörner an, die diese begleitet haben sollen. „Die Seidenstrasse“ beschreibt Jesu Reisen nach Osten entlang der historischen Handelsroute, während „St. Issa“ seine Ankunft und seine Hingabe an die stille Meditation markiert. „Nirvana oder Vergeltung“ beschreibt seine Rückkehr und sein biblisches Schicksal – wobei die Musik mit einem Hauch von Led Zeppelins „Kashmir“ die Frage offen lässt, ob dies tatsächlich eintritt. Sie lässt den Hörer zudem im Nachhinein darüber nachdenken, was dies tatsächlich bedeutet haben könnte, und schliesst mit einem triumphalen Finale ab.
Startnummer 9: Brassband Bürgermusik Luzern (Michael Bach)
Die Luzerner stehen in verschiedenen Gruppen verteilt auf der Bühne und sogar im Publikum. Sie bauen eine feindosierte Klangwolke auf und erzeugen eine schwebende Atmosphäre. Der Solo Euphonist spielt ein sehr langes Solo am Bühnenrand mit unglaublich grossem Volumen. Nach und nach kehren die Musikerinnen und Musiker an ihre angestammten Plätze zurück, doch die Atmosphäre bleibt bestehen.
Anschliessend geht das Stück in einen coolen Groove über, der von Posaunen-Soli gespickt ist. Die Perkussionistin und Perkussionisten erzeugen viele ungewöhnliche, maschinenartige Effekte, welche von den gedämpften Cornets in rhythmischer Präzision weitergeführt werden.
Zielstrebig und mit scharfen Zungen schiessen sie die Sechzehntel in Lichtgeschwindigkeit durch den Saal, treiben unseren Puls in die Höhe und das innovative Stück unerbittlich dem Ende zu. Der Rhythmus wird nur noch kurz für einen kleinen Sonnenaufgang des Soprano Cornets unterbrochen bevor die Jubelstürme im Schlusston losgehen.
MVP: Euphonium
Michael Franz
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Luzern legte einen fulminanten Endspurt hin, um sich den Titel von den Rivalen aus dem Wallis zurückzuholen, nachdem sie in den letzten Jahren so knapp gescheitert waren – mit einer fesselnden Komposition, die auf der Arbeit des CERN basierte. Das Stück, das filmische und zeitgenössische Elemente gekonnt vereinte, nutzte im Intro räumliche Techniken, indem die Musiker im hinteren Teil des Orchesters und an den Seiten des Saals platziert wurden. Dadurch wurden die komplexen Schichten fragmentarischer Einzelstimmen hörbar – und zwar äusserst wirkungsvoll –, sodass die Klanglandschaft organisch und voller Freude wuchs.
Polyphonie und Ensemble vereinten sich im nächsten Abschnitt, der Themen aufgriff, die an die traditionellen Energiequellen der Brass Bands erinnerten, bevor der Posaunist das Publikum auf eine Reise exponentieller Klangmagie mitnahm. Und wie er das tat, begleitet von einem mitreissenden Ensemble aus Fusions-Klängen, Stilen und besonderen Percussion-Elementen.
Im letzten Abschnitt war eine immense Detailfülle zu hören – ein schmaler Grat zwischen Kontrolle und Chaos, den der musikalische Leiter meisterhaft hielt. Es hämmerte sich einfach seinem Ende entgegen – technisch brillant und mit höchster Präzision ausgeführt, untermalt von einem übergreifenden Thema, das den besten Science-Fiction-Soundtracks entsprungen sein dürfte. Das finale, pulsierende Inferno erfüllte den Saal mit Luzerns eigener Kernfusion und rundete eine atemberaubende Performance ab.
Sie hätten nichts Besser tun können, in ihrem Versuch den Titel zurückzuerobern.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: Enginery of Genesis (Théo Schmitt)
Theo Schmitts viersätzige Komposition ist von der Kernforschung am CERN in der Schweiz inspiriert – sowohl als wissenschaftliche als auch als poetische Metapher für die dort erforschte und freigesetzte Kraft und das Potenzial. Das eröffnende Stück „Fragmenting Stars“ entführt den Hörer in eine atmosphärische Klanglandschaft – schwebend, nebelverhangen, zwischen weitläufigem Geheimnis und winzigen Partikeln. „Gathering Minds“ reflektiert die menschliche Kooperation, ausgedrückt durch komplexe Polyphonie und Dialoge – von einzelnen Gruppen bis hin zu Solisten, die alle eigenständig sind und doch ein gemeinsames Ziel verfolgen, bis sie eine einheitliche „Harmonie der Zusammenarbeit“ erreichen. Es folgt „Computing Crashes“ – die Musik wendet sich den von Menschenhand geschaffenen Komplexitäten einer Maschine zu, die die Unberechenbarkeit der Natur erforscht – virtuos und wild in ihrer Rebellion, während Schaltkreise in ihren Rhythmus verschmelzen – das Chaos ist kontrolliert, aber nur knapp.
Das Werk schliesst mit „Colliding Lights“ – dem ultimativen Ausdruck von Kraft und Zielstrebigkeit, wenn Atome mit blendender Intensität kollidieren. Die Energieentfaltung ist gewaltig, die Wirkung klar, definiert und massiv, während der Klang durch die Kraft einer Turbine aus Schallenergie und -impuls zu seinem strahlenden, explosiven Höhepunkt gelenkt wird.
Startnummer 8: Liberty Brass Band (Stefan Roth)
Der erste Ton geht gleich durch Mark und Bein. Die Ostschweizer treten mit breiter Brust, fast schon übermütig auf. Nach schönen Horn-Solopassagen bauen sie unter der Leitung von Stefan Roth eine massive Armee auf, die man von weitem bedrohlich näher kommen hört, bis sie das Publikum mit einer enormen Wucht überfällt.
Anschliessend spielen sie ihre Qualitäten in den ruhigen Passagen aus. Mit viel Gefühl legen sie die Hoffnung der Gläubigen dar und wir lassen uns in den schönen Klängen treiben. Doch die Hoffnung wird bald von der nächsten Revolution aufgefressen. Lange Zeit zielt die Dramatik auf ein böses Ende hin, doch sie finden den Rank und galoppieren Vollgas mit beeindruckender Technik in eine positive Zukunft.
MVP: Euphonium
Michael Franz
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Ein wahrlich leidenschaftliches Plädoyer für die Wiedereinführung der absoluten Monarchie – etwas übertrieben, wo doch etwas mehr Zurückhaltung im Dialog stellenweise zu befriedigenderen Ergebnissen geführt hätte. Sobald die Musikerinnen und Musiker die instinktiven Ausbrüche beiseite liessen, bestach das Spiel durch seine hohe Qualität – ausdrucksstark, warmherzig und überzeugend. Die filmische Musik mit ihrer raffiniert umgesetzten Komposition und den subtilen Anspielungen kam in diesen Passagen besonders gut zur Geltung.
Der Dirigent gestaltete das Werk meisterhaft – zunächst in die Welt von „El Cid“, bevor es zurück nach Grossbritannien ging, in voller königlicher Pracht, mit wehenden Strumpfhosen und Fahnen (in Anlehnung an Korngolds grossartige Errol-Flynn-Filmmusiken) und mit einem Hauch von Sparkes „Harmony Music“, um den alten Karl wieder auf den Thron zu setzen.
Eine wunderbar lebhafte Aufführung endet mit Glockengeläut und Christbaumkugeln – ein prachtvoller Triumph und ganz im Sinne der britischen Tradition, eine freudige Rückkehr zur Monarchie.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: The Divine Right (Philip Harper)
Zur Zeit, als Philip Harper dieses Werk komponierte, fegte der Arabische Frühling durch den Nahen Osten. Viele despotische Regime stürzten. Hoffnung ging mit Unsicherheit einher. Das Werk spiegelt daher diese revolutionären Zeiten sowie den Kontext der Revolution im Grossbritannien des 17. Jahrhunderts wider, die auf die Hinrichtung von König Karl I. im Jahr 1649 folgte. Karl I. glaubte an das Gottesgnadentum der Könige – dessen Ende zum Interregnum des Commonwealth unter Oliver Cromwell führte.
Die Musik untersucht verschiedene Aspekte dessen, was dies bedeutete und heute bedeutet – nicht programmatisch, sondern reflektierend Fragen der Religion, der militärischen Gewalt und sogar der rationalen Debatte. Sie zitiert den royalistischen Komponisten Thomas Tomkins (1572–1656), der oft den Zeitgeist widerspiegelte. Die Cromwellsche Phase endete mit der Restauration der Monarchie im Jahr 1660. Die Rückkehr König Karls II. wurde von John Evelyn mit den Worten „Nie zuvor hat dieses Land einen so freudigen Tag erlebt. Ich stand am Strand und sah es und pries Gott“ – eine weitere Ära der Unruhen löste eine vermeintliche göttliche Gewissheit ab.
Startnummer 7: Ensemble de Cuivres Mélodia (Vincent Baroni)
Das neue Werk von Théo Rossier, der 2022 den Europäischen Komponistenwettbewerb gewonnen hatte, braucht viel Vorbereitung. Die Musikerinnen und Musiker bringen diverse Dämpfer mit und die Cornets stellen sich um die Band herum auf.
Sie beginnen mit mysteriösen Klängen in der Perkussion und zeigen tolle verschwindende Effekte in den Cornets und Hörnern. Die unbequemen Akkorde werden in einem spannungsgeladenen Bogen über eine lange Zeit gezogen. Die "Ketzerischen Tänze" sind wild und werden von beissenden Tubas und aggressiver Perkussion angestachelt. Der Oktavsprung der "Beschwörung" kehrt zurück und bricht schlussendlich den Bann zur Überleitung in die "Vision".
Das Flügelhorn (welches andere Instrument wäre besser geeignet?) trägt die beruhigende Vision gefühlvoll vor und bringt die aufgeheizten Gemüter zur Besinnung. Das Soprano Cornet bringt den Oktavsprung zurück und läutet den letzten Abschnitt ein, welcher in einem epochalen Finale und mit einem standesgemässen Snare- und Bass Drum-Knall endet.
MVP: Tubas
Michael Franz
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Was für ein interessantes Stück – anders in Intention und Sprache, schon der erste Takt klang, als würde jemand ein rostiges, altes Garagentor öffnen. Diese erfrischende Eigenartigkeit blieb im gesamten ersten Teil erhalten, als das einzelne Flehen um Erlösung schliesslich einem immer stärker werdenden Bittgebet wich – eher nach Osten gerichtet als zu irgendwelchen alten Schweizer Gottheiten auf dem Kompass der Gebetsmatte.
Die „Ketzerischen Tänze“ hatten einen teuflischen Schwung und eine blasphemische Virtuosität – wie eine Geisterbahnfahrt in einem Nachtclub, der Beelzebub verehrt – ein Riesenspass auf Kosten der Seele. Hier wurde grossartiges Theater geboten – insbesondere die Solisten, während das Ensemble dicht dahinter stand, bis hin zum völlig ausgelassenen Finale.
Die Rückkehr zu Ruhe und Besinnung in gedämpften Farben bildete das subtilste Fundament, auf dem die einzelnen Stimmen, die um Erlösung flehten, ein letztes Mal erklangen. Das hätte es vielleicht gewesen sein sollen, aber eine weitere skurrile Passage im Coda führte dazu, dass die Bittsteller auf einer Achterbahnfahrt zu ihrem endgültigen Ziel auf ihre Erlösung hingeführt wurden.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: Adjuration (Théo Rossier)
Eine Beschwörung (Adjuration) ist ein dringendes Gebet oder Flehen an Gott – in diesem Fall, damit der Büsser aus den Fängen einer Sekte befreit wird. Das Werk ist in fünf miteinander verbundene Sätze gegliedert. Der erste Satz („Beschwörung“) beginnt mit einem einfachen Oktavsprung, der den anfänglichen Ruf nach Befreiung evoziert und sich dann mit anderen Sätzen steigert, um die Melodielinie des gemeinsamen Gebets zu formen. „Echos“ besteht aus wiederkehrendem thematischem Material, das das inbrünstige Gebet nicht eines Einzelnen, sondern einer Vielzahl von Gläubigen um Vergebung evoziert. Diese gehen schliesslich in eine Reihe von „Ketzerischen Tänzen“ über, die zusammenkommen, nebeneinander bestehen, gegeneinander wirken und sich schliesslich mit dem Erscheinen einer „Vision“ auflösen. Dieser ruhigere, gelassene Abschnitt wirkt wie eine Erlösung, bleibt aber quälend unvollständig; seine Auflösung ist unbefriedigend, da die Echos des Gebets immer stärker, kompakter und schneller zurückkehren. Dieses Beharren führt zur Rückkehr der visionären Elemente und zur finalen „Manifestation“, die letztlich Erlösung bietet.
Startnummer 6: Ensemble de Cuivres Jurassien (Thomas Wyss)
Wir sind zurück im Blockbuster-Stil und die Jurassier legen kräftig los. Der massive Sound wird von den strahlenden Euphonien überflügelt. Im Mittelteil mischt sich der Ondes Martenot-Sound vom E-Piano nicht hundertprozentig mit dem Bandklang, sondern sorgt für etwas Intonationsverwirrung. Die Hörner harmonieren jedoch toll und entwickeln einen schönen Sound aus der Mitte der Band. Die Cornet- und Flügelhorn-Solisten legen ihr Herz in die Waagschale und versprühen grosse Emotionen.
Das Finale präsentieren sie wie vom Komponisten gefordert extrem aufregend und mit viel Drive. Sie laden zum Headbangen ein.
MVP: Flügelhorn
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Ludovic Neurohrs bemerkenswerte Verbindung von menschlichem Herzen und elektronischem Gehirn erzeugt eine ätherische Klanglandschaft, besonders wenn die Ondes Martenot scheinbar in der Luft schweben. Es war bedauerlich, dass sie vom dritten Cornet auf einem modernen Synthesizer und nicht auf dem Originalinstrument gespielt wurde, da dies die Intentionen des Komponisten beeinträchtigte.
Dennoch war das Spiel durchweg erstklassig. Der musikalische Leiter schuf eine wunderbar weite Klangbühne, auf der sich die Musik entfaltete und – insbesondere die dramatischen Elemente – emporstieg.
Alle Solopassagen wurden mit einer warmen Zartheit gespielt, die von der tiefen Menschlichkeit der Musik zeugte, während die binäre Pulsform der Maschine selbst in ihrer spektralen, entrückten Dimension eine lebendige Wärme ausstrahlte.
Die prächtigen Tuben (am Anfang und Ende) trieben die Musik voran, wobei der Schlussteil mit so präziser Energie und beeindruckender Zielstrebigkeit gespielt wurde – und in wenigen, grandiosen Takten gipfelte, die selbst die modernste KI nicht nachahmen könnte.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: ***** Concerto No. 10 for Brass Band and Ondes Martenot (Ludovic Neurohr)
Die Sterne in Neurohrs Komposition symbolisieren die fünf miteinander verbundenen Sätze, die seine frei denkenden Emotionen – unterstützt vom ätherischen Klang der Ondes Martenot – zum Ausdruck bringen. Das Werk trägt aus gutem Grund den Untertitel „Kein Wort, das Emotionen ausdrücken kann“.
Die Musik ist nicht mathematisch strukturiert, es gibt keine traditionell ausgewogenen Harmonien oder eine festgelegte Orchestrierung – nur eine Alchemie der Freiheit, projiziert auf eine leere, 18-minütige Leinwand. Jeder Stern steht für einen bestimmten Abschnitt seines freien Ansatzes; der erste ein Präludium, gefolgt vom zweiten, deutlich kühleren Satz „Immersion“, der einen „bezaubernden Nektar“ bieten will. „Sharing“ verbindet die vorhergehenden Abschnitte, angeführt von einem lyrischen Sopran von strahlender und funkelnder Intensität. Der vierte Abschnitt evoziert ein Gefühl himmlischer Besinnung, getragen vom Klang der Ondes Martenot – so fein geschliffen, dass er über dem Orchester schwebt – ein zutiefst menschliches Herz, verbunden mit dem binären Puls des elektronischen Geistes.
Er führt zum Finale und dem Höhepunkt der Ideen und Ideale: aufregend, prickelnd und intensiv – das letzte Spiel gemeinsamer Momente, ein Kaleidoskop der Gefühle, real, wahrgenommen, roh, zart oder einfach nur eingebildet.
Startnummer 5: Valaisia Brass Band (Arsène Duc)
Eine wahrliche Tondichtung haben wir gerade erlebt. Es war extrem spannend, die Partitur zu verfolgen, doch was das Publikum ohne Kenntnis davon damit anfängt?
Die Gedanken des Komponisten werden zu Beginn in vielen Start-Stop-Phasen einen nach dem anderen aneinander gereiht und extrem präzis von der Valaisia Brass Band erzählt. Die Solisten spielten unmögliche Läufe mit einer fantastischen Leichtigkeit. Die Euphonien spielen zwei, drei Mal ins G'''.
Der Auftritt war ein einzigartiges Erlebnis. Einerseits muss zuerst einmal eine andere Band gefunden werden, die das Werk überhaupt spielen kann und andererseits war die Präzision und Kontrolle unglaublich gut. Das Publikum wurde sprachlos zurückgelassen von einem faszinierenden Werk und einer hochklassigen Performance.
MVP: Bariton
Michael Franz
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Wie erfrischend, ein Werk wie dieses zu hören – aus völlig anderem Material als seine heutigen Pendants geschaffen und mit solch poetischer Beschwörung der Musen geformt – und das alles ohne übertriebene Dynamik oder Tempo. Mal episch und wütend, mal gedämpft und melancholisch, dann wieder verstohlen und fragend, bis hin zu einer Hommage, die wie ein geisterhafter Abdruck von Heatons Geist wirkte – angekündigt durch die subtilste Anspielung auf die berühmten Intervalle der „Contest Music“ zu Beginn.
Zuvor hatte der Prolog die düstere Atmosphäre geschaffen, bevor ein bissiges Scherzo die Band mitreissend umspielte. Das Spiel war jedoch virtuos und ausdrucksstark, ohne unnötige Verrenkungen. Eine „idyllische Illusion“ verstärkte das Geheimnisvolle und Hinterfragen der verlorenen Erinnerung – ausgedehnt im Fluss, dynamisch gedämpft und ebenfalls vielschichtig. Es war karg, eindringlich und von grosser Schönheit.
Es mündete in ein „Capriccioso“-Finale mit einer so beissenden Note – prägnant und aussagekräftig, die Läufe alle zielgerichtet, nicht unnötig in die Luft geschwungen, um Effekte zu erzielen, und die gesamte Band fand zusammen, um weitere tiefgründige Fragen zu stellen. Die letzten Takte verdichteten alles zu gewaltigen, bedeutungsvollen Kraftausdrücken.
Das Publikum war nach dem vorangegangenen zuckersüssen Rausch etwas irritiert – doch musikalisch bot dieses Stück inhaltlich so viel mehr.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: Mnemosyne Phrases (Torstein Aagard-Nilsen)
Mnemosyne war die griechische Göttin der Erinnerung, die die neun Töchter des Zeus gebar – die Musen der Künste: Kalliope (Epos), Klio (Geschichte), Polyhymnia (Hymnen), Euterpe (Musik und Lyrik), Terpsichore (Tanz), Erato (Liebesdichtung), Melpomene (Tragödie), Thalia (Komödie) und Urania (Astronomie). Dies ist jedoch nicht die direkte Inspiration für das Werk des norwegischen Komponisten, sondern vielmehr die Erinnerung daran, wie diese Musen miteinander interagieren, um originelle Kunst zu schaffen. Wie der Komponist schreibt:
Ohne Erinnerung kann man überhaupt nicht erschaffen. Man kann nicht innovativ sein. Nach Mnemosyne schreibe ich meine Musik, weil ich mich an ‚etwas‘ erinnere.
Es ist das Zusammenspiel dieser Erinnerungen, die in Musik verwandelt werden, das die kreative Struktur des viersätzigen Werkes bildet, sowie eine zentrale, wenn auch flüchtige Hommage an den Komponisten Wilfred Heaton und seine Komposition „Partita“, die nach Ansicht des Komponisten das Konzept so gelungen wie kaum eine andere für dieses Medium geschriebene Komposition verkörpert.
Das Werk beginnt mit einem „Prolog“ (Lento), gefolgt von einem „Scherzo“ (Presto) (Hommage à W.H.), einer „Idyllischen Illusion“ (Grave) und dem abschliessenden „Capriccioso“ (Allegro ma non troppo).
Startnummer 4: Ensemble de Cuivres Valaisan (Jean-François Bobillier)
Das Werk eröffnet mit märchenhaften Klängen und einem wunderschönen Flügelhorn-Solo. Verschiedene Fake News-Motive stören die Harmonie schon bald. Zwischenzeitlich tragen ein paar Intonationstrübungen dazu bei.
Das Werk war für die belgische Brass Band Willebroek der Schlüssel zum Sieg an den diesjährigen Europameisterschaften und deswegen vom höchsten Schwierigkeitsgrad. Die Solisten werden bis auf Äusserte gefordert und klingen dabei hervorragend. Die Mittelstimmen um Hörner, Baritons und Euphonien machen einen fantastischen Job.
Irgendwann rutschen etwas zu viele Ideen in das Werk und der Schluss lässt auf sich warten. Die Walliser nutzen jedoch jede Variation aus, um entweder ihr technisches Können, ihre Kraft oder ihre Ausdauer zu präsentieren. Der gleissende Schlusston wird von Perkussionisten mit starken Oberarmen beendet.
MVP: Solo Horn
Michael Franz
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Ein Werk mit interessanter Inspiration und Struktur hat bereits vor dieser Aufführung bei einem grossen Wettbewerb Eindruck hinterlassen – und es könnte hier durchaus dasselbe tun. Ein technisch anspruchsvolles Werk, dessen Kernmaterial stets reflektiert wird – mit einer versteckten Wendung, die es zu entwirren gilt, ohne die Auflösung preiszugeben.
Es gab viele herausragende Solo- und Ensembleleistungen zu sehen – manchmal am Rande des Abgrunds, mitunter knapp an Intonation und Ausführungszusammenhang vorbei, aber das Spiel war von bravouröser Intensität. Die Schärfe des Klangs liess die Gesamtwirkung zeitweise etwas trüben, doch die Kühnheit trug das Werk voran, und die ruhigeren Momente wurden mit fliessender Zartheit dargeboten.
Der Aufbau zu einer Reihe von immer stärker werdenden Höhepunkten – einer davon ein Schein-Höhepunkt – zog den Zuhörer tiefer in die Musik hinein, bevor sie ihre wahre Identität von filmischer Pracht und dramatischer Zielstrebigkeit offenbarte.
Das wurde mit wilder Geschwindigkeit vorangetrieben wie Casey Jones auf einem ausser Kontrolle geratenen Zug, die Xylophonschienen fingen Feuer durch die Reibung des Spiels der Percussion-Gruppe und die kanonenartigen Schläge der Bassdrum kündigten den Endstopp an.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: The Forest for the Trees (Wim Bex)
Der Einsatz von Propaganda in Konfliktzeiten ist ein ebenso manipulatives wie wirksames Instrument politischer Kommunikation. Erstmals in der Antike eingesetzt, beschreitet sie in der Neuzeit einen düsteren Weg durch Desinformation, um die öffentliche Meinung zu lenken. Was für die eine Seite Lüge ist, wird von der anderen als Wahrheit angesehen – die Folge sind Misstrauen und Polarisierung.
Der Titel bezieht sich auf die Auseinandersetzung von Sir Thomas More im Jahr 1533 mit dem englischen Geistlichen Robert Barnes, den er für einen Ketzer hielt. More argumentierte, dass Barnes zwar die Ziegel der St. Paul’s Church in Rom berühren konnte, aber dennoch die Bedeutung des Gebäudes selbst nicht erkannte. Der belgische Komponist Wim Bex setzt sich in einer sinfonischen Tondichtung mit diesen Themen auseinander. Das Werk besteht aus neun untertitelten, miteinander verbundenen Abschnitten und fordert den Hörer auf, den unvoreingenommenen „Mittelweg“ zu finden, um zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. „Alles Frieden und Ruhe“ leitet eine Erzählung ein, die Themen wie „Vorbereitung“, „Teile und herrsche“, „Irgendwas ist faul…“, „Kollateralschaden“, „Auf welcher Seite stehst du?“, „Entlarvt oder entlarvt“ und „Die Geschichte wiederholt sich“ umfasst, bevor sie mit der fragenden Coda „Es sei denn…“ endet.
Die Musik basiert auf fünf verschiedenen Themen – eines davon fungiert als falsche „Propaganda“, die sich wie ein roter Faden durch das Werk zieht. Die Wahrheit tritt schliesslich zutage, als immer mehr Akteure das grosse Ganze erkennen und sich das Gesamtbild offenbart – doch der Komponist fragt sich weiterhin, ob die Wahrheit dann überhaupt noch existiert.
Startnummer 3: Brass Band Fribourg (Adrian Schneider)
Das Stück startet so delikat und die Fribourger riskieren alles. Es braucht ein paar Takte bis die Präzision perfekt ist, doch sie kreieren eine zauberhafte Stimmung. Die Schönheit der Erde wird spürbar - und anschliessend ebenfalls die Probleme. Mit unglaublicher Kraft prangern sie die menschengemachte Zerstörung an. Wie im gestrigen Teststück schafft es Doss, zärtlichste Melodien zu schreiben, nur um sie dann mit einer dämonischen Leidenschaft abrupt auszulöschen.
Die Sololinie, die stark an "My Heart Will Go On" erinnert, wird schön vorbereitet und vorgetragen. Auch hier lauert die Gefahr immer im Hintergrund (bei den Tubas). Wir jagen mit den Fribourgern durch verschiedene Stile über Blues, Hard Rock, Swing wieder zurück zum ersten Thema und die Perkussionisten machen hörbar, wie uns die Zeit davonläuft.
Unzählige Schlüsse werden vorbereitet, wieder abgebrochen, bis endlich die Schlussfermate erklingt und der Saal jubelt.
MVP: Euphonium
Michael Franz
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Wir haben gestern viel von Doss' neuestem Werk gehört – und wie schon bei „Genetic Code“ handelt es sich hierbei eher um eine persönliche Auseinandersetzung mit seinen Überzeugungen und Meinungen als um eine Erkundung anderer. Der wunderbar zurückhaltende Beginn wich den typischen Doss-Merkmalen, Leitmotiven und Effekten, doch im Kern blieb ein nachdenklicher Ton, der auf seine eigene, surreale Weise faszinierte.
Manchmal schwingen sogar Anklänge an Bach und Céline Dion in den lyrischen Linien mit – doch sie sind so gekonnt gespielt, und angesichts der bereits vorhandenen dynamischen Höhen war es wohltuend, auch die mittleren Dynamikbereiche zu hören. Allerdings schlägt er auch mal in die Kerbe von Alabama 3 aus „Die Sopranos“, als der Blues Einzug hielt, und unternimmt Abstecher in die Welt des arabischen Funk. Das Spiel bietet so viel Genuss, da es immer wieder auf den Kern der Musik zurückgreift – eine Art sanfte, anerkennende Geste, angeführt von einem fantastischen Schlagzeug und einem virtuosen Euphonium-Solo. Das Ensemble mobilisierte daraufhin seine letzten Reserven, um mit all seiner Adrenalin-geladenen Energie die Sache voranzutreiben.
Und es hat sich gelohnt – für ein glorreiches, erhebendes Ende voller Zielstrebigkeit.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: This World (Thomas Doss)
Thomas Doss ist bekannt dafür, sich für viele seiner Werke von der klassischen Musik inspirieren zu lassen. In dieser Komposition jedoch schöpft er aus seinen eigenen Gefühlen, um über „diese Welt“, in der wir leben, zu reflektieren. Es ist ein Ort, sagt er, wo wir „lieben, lachen, trauern, weinen und uns fürchten. Auf dem wir zeugen, gebären, töten und zerstören.“
Aus einer einzelnen Perspektive betrachtet, scheinen individuelle Handlungen wenig bewirken zu können, doch aus der unendlichen Weite des Weltraums betrachtet, eröffnet sich eine ganz andere Sichtweise. Und von diesem Standpunkt aus ermutigt er den Zuhörer, „diese Welt einfach von aussen zu betrachten …“
Ähnlich wie die Aussicht für die amerikanischen Apollo-Astronauten war der winzige blaue und grüne Fleck eine Oase der Schönheit und des Optimismus – die „Gute Erde“, wie der Apollo-8-Astronaut Jim Lovell sie so treffend nannte, und „ein rotierender Globus der Hoffnung auf Leben“, so Thomas Doss. Das Werk reflektiert aktuelle Ereignisse – von den Konflikten in der Ukraine und im Nahen Osten über die Umweltzerstörung bis hin zur Politik des Populismus, die so viel dazu beitragen, unsere einzigartige Spezies auseinanderzureissen. Dies bildet den emotionalen Kern der Komposition – irdische Sorgen eingefangen in himmlischer Stille, technischer Fortschritt und Wagemut im Kontrast zu lyrischen Betrachtungen und Zufriedenheit. All dies entspringt der Partitur – von der Virtuosität des Ensembles bis zur Schönheit der Sololinie. Die Musik, in einem durchgehenden Bogen geschrieben, stellt die Musiker vor anspruchsvolle Herausforderungen in ihrem Bemühen, interpretative Lösungen zu finden – der Zuhörer wird lediglich gebeten, offen für das Ergebnis zu sein, das er sich selbst wünscht.
Startnummer 2: Brass Band Treize Étoiles (Frédéric Théodoloz)
Die Dynamik-Effekte zu Beginn sind beeindruckend - als würde einem links und rechts um die Ohren gewatscht werden. Anschliessend kommt die stupende Technik der Walliser zum Zug, wovon Neurohr reichlich in das Werk gepackt hat. Das Perkussions-Register liefert hinten den Rock-Beat für die Ventilparty.
Der lange, sehr dünn gesetzte Mittelteil bietet den Solistinnen und Solisten viel Raum zur Gestaltung. Man könnte in solchen Situationen nervös werden - doch nicht die Walliser. Im nächsten Teil lässt uns Fréderic Théodoloz wieder den Beat spüren und löst Kopfnicken im Publikum aus. Das Soprano Cornet beweist unglaubliche Ausdauer und spielt auch nach zwölf Minuten je nach Anforderung fein oder brachial in den höchsten Lagen.
Im triumphalen Schluss geben sie nochmals alles und zögern die Schlussfermate aufs Äusserste hinaus, obwohl das Publikum bereits in Jubelschreie ausgebrochen ist. So macht man das!
MVP: Euphonium
Michael Franz
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Ein weiteres Werk, inspiriert von der griechischen Mythologie und von einem Komponisten mit überaus reicher Fantasie für die heutige Zeit aktualisiert. Wer diese Schachtel öffnet und versucht, dieses virtuose und fast unmögliche Meisterwerk zu spielen, könnte leicht dem Wahnsinn verfallen. Es wird mit unglaublichem Können und Einfallsreichtum dargeboten – auch wenn man sagen muss, dass in manchen Passagen nicht alles perfekt gelang und die Intonation mit den unisono Anschwellern am Anfang etwas Zeit brauchte, um sich vollständig zu fokussieren.
Dennoch fesselte das Spiel den Zuhörer – manchmal in staunender Bewunderung –, wobei die Solisten, Tuben und Perkussionisten in einem Schmelztiegel aus Farben, kühner Dynamik und fantastischen Effekten ihr ganzes Können unter Beweis stellten. Was für eine Ausdauer – insbesondere angesichts der Kontraste in Dynamik und extremer Bandbreite (das Soprano Cornet liess die Hunde der Gegend beim Herumlaufen draussen die Ohren spitzen), mit dem schrittweisen, wohlüberlegten und präzisen Aufbau zum Höhepunkt vor den Augen eines gebannten Publikums.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: Dear Cassandra (überarbeitete Version 2025) (Ludovic Neurohr)
Kassandra wurde von den Göttern verflucht, Prophezeiungen auszusprechen, die zwar wahr waren, aber niemand glaubte. Sie sah den Untergang Trojas voraus und warnte vor dem „Geschenk“ des hölzernen Pferdes der Griechen. Ermordet von ihrer rachsüchtigen Frau, soll sie eine Truhe hinterlassen haben, die, wenn sie geöffnet wurde, denjenigen, der hineinblickte, mit Wahnsinn verfluchte. „Dear Cassandra“ ist wie ein musikalischer Brief, der Dirigenten dazu auffordert, die prophetischen Fragen des Komponisten zu interpretieren, um ihr eigenes Schicksal zu gestalten. Die drei miteinander verbundenen Sätze werden als Ganzes gespielt, obwohl jeder Satz wiederum in detaillierte Abschnitte musikalischen Diskurses unterteilt ist.
Die ausgedehnte Einleitung entfaltet Texturen, Dynamik und Effekte von Solisten und Ensemblestimmen. Der darauf folgende Satz „Der Ruf“ ist eine zugrundeliegende rhythmische Sequenz, die den verschlüsselten Titel des Werkes darstellt. „Angst“ taucht ein in die Welt des elektronischen Pop-Rock; Fieberhaft und rhythmisch, bevor „Tests“ und „High Hopes“ die Form überlappender, quasi-kadenzartiger Soli annehmen. „No Matter“ wandelt sich mit der Verwendung von Pergolesis Thema „Stabat Mater“ zu einer prophetischen Antwort, bevor das „Finale“ in einer glorreichen Bestätigung des Weges des Komponisten zur musikalischen Erfüllung alle Zweifel ausräumen will.
Startnummer 1: Brass Band Berner Oberland (Véronique Gyger)
Wir legen los wie die Feuerwehr und werden von der BBO in die Hölle herabgezogen. Himmlische Soli vom Flügelhorn bringen uns kurzzeitig in die Höhe zurück, doch schon bald wird wieder mächtig Alarm gemacht wird. Die verschiedenen Teile sind filmreif wie ein zusammengeschnittenes Highlight-Video eines Actionsfilms. Véronique Gyger verknüpft die Szenen miteinander und weitere Solisten nutzen ihre Chance um zu brillieren.
Schöner Tuba-Choral für zwischendurch und weiter geht es in die nächste Episode der tragischen Geschichte. Die Musikerinnen und Musiker beschwören mit geflüsterten lateinischen Worten die Kadenzen von Solo Euphonium und Principal Cornet, welche die Unterstützung zu wissen nutzen und ihren Sound bis in den letzten Winkel des Saals projizieren.
Aertgeerts hat ein Werk geschaffen, dass spektakulär ist und hoffentlich nicht in irgendeiner Schublade verschwindet (wie es bei Neukompositionen in letzter Zeit oft der Fall war). Es passt perfekt zu den Berner Oberländern, welche für ihren homogenen Sound bekannt sind.
MVP: Flügelhorn & Principal Cornet
Michael Franz
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Hier gibt es so viel erzählerisches Material unterzubringen – vom dramatischen Prolog an, inklusive der Anspielungen auf die 15 Bücher Ovids, eines dreiköpfigen Hundes und des grausamen Todes des Helden. Die Partitur präsentiert alles den Juroren auf dem Papier und dem Publikum im Surround-Sound – ein äusserst filmischer Klangraum, facettenreich, mit reichhaltigem Schlagzeugspiel, virtuosen Soli, Effekten, unbändiger Energie und leuchtenden Farben.
Auch das Spiel ist erstaunlich vielseitig und lebendig – obwohl jede der 25 „Mini-Episoden“ so kurz ist, dass thematisch kaum etwas zusammenhängt. Es ist, als sähe man die gesamte epische Geschichte in Zeitraffer mit 1000 Bildern pro Sekunde, komprimiert auf 19 Minuten Spielzeit. Es gibt jedoch Momente der Besinnung und Zärtlichkeit, wenn Eurydike im Mittelpunkt steht – und die Hauptsoli im Cornet und Euphonium werden im feinen Belcanto-Stil dargeboten. Es ist die mystische Sprache, die den stärksten Eindruck hinterlässt – klug und entrückt in ihrem Flüstern.
Der finale Aufstieg aus der Hölle – und seine tragischen Folgen – ist einfach atemberaubend – der blutige Tod, bei dem arterielles Blut in alle Richtungen spritzt und der Saal tosenden Applaus auslöst. „Schau nicht im Zorn zurück“, sagte einst jemand – doch hier befolgte er diese Worte nicht.
Iwan Fox, 4barsrest
Das Werk: Orpheus & Eurydice (Stijn Aertgeerts)
Der belgische Komponist Stijn Aertgeerts liess sich für sein neuestes Hauptwerk von der griechischen Mythologie und der tragischen Liebesgeschichte zwischen Orpheus von Thrakien und der schönen Eurydike inspirieren. Bekanntlich wurde sie vom Dichter Vergil überliefert und von Komponisten wie Monteverdi, Haydn und Harrison Birtwistle vertont. Aertgeerts verdichtet die epische Erzählung zu einer gekürzten Fassung mit 25 verschiedenen Teilen, die wie im Original miteinander verbunden sind. Sie beginnt mit einer tragischen Zukunftsvision, die an Ovids „Metamorphosen“ erinnert, bevor sich die Geschichte junger, verzauberter und naiver Liebe entfaltet. Was folgt, wird durch die Partitur erzählt: eine Hochzeit, eine Schlange, der Tod, der Abstieg in die Hölle, die Unterwelt mit ihren Gestalten der ewigen Verdammnis, Intrigen, Überredung, Zweifel, ein flüchtiger Blick zurück, Verzweiflung, Trauer, göttliche Vergeltung und schliesslich die Katharsis.
Auch heute können Sie wieder die BrassApp nutzen, um Ihre eigene Rangliste für die 1. Klasse und die Höchstklasse zu erstellen. Die Anwendung bietet eine gute Grundlage für anschliessende Diskussionen mit Ihren Freunden.

Startreihenfolge der Höchstklasse (Selbstwahlstücke)
Der Salle Blanche füllt sich und die Leute sichern sich die besten Plätze für die Blockbuster-Selbstwahlstücke der Höchstklasse. Hier ist die Startreihenfolge:

Geometrie, die klingt
Der Wettbewerb der 1. Klasse ist in vollem Gange. Das Teststück La Geometria von Bert Appermont ist sehr unterhaltsam, aber stellt die Bands dennoch vor Herausforderungen. Unsere Vorschau zum Werk finden Sie hier (Premium).
Startreihenfolge 1. Klasse
In wenigen Augenblicken geht es los mit dem Wettbewerb der 1. Klasse im Luzerner Saal.

Wir begrüssen Sie zu unserem Liveticker zum zweiten Wettbewerbstag aus Luzern!
Gestern durften wir bereits begeisternde Vorträge hören und wir sind sicher, dass uns heute von der 1. Klasse und der Höchstklasse nochmals beste Unterhaltung präsentiert wird. Wir berichten zusammen mit Iwan Fox von 4barsrest live aus dem Salle Blanche zu den Selbstwahlstücken der Höchstklasse. Es wird wieder ein Feuerwerk geballter Brass-Power geben!
Wir wünschen allen Teilnehmenden wiederum viel Erfolg und dem Publikum viel Vergnügen.
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Zeitplan Sonntag, 30. November 2025 Salle Blanche 11.30 - 16.45 Uhr Höchstklasse Selbstwahlstück 17.30 Uhr Rangverkündigung Luzerner Saal 10.00 - 15.30 Uhr, 1. Klasse |
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