Halbzeitrückblick
Man kann nicht behaupten, dass sich der heutige Tag nicht gelohnt hat. Zwei hervorragende Sektionen mit erstklassigen Teststücken und dann die Championship Section, die mit ihrer Herangehensweise an ein Werk, das an Thomas Doss' Buch über das Skurrile und Wunderbare erinnerte, zeitweise einfach atemberaubend war. Wie das alles zusammenpasste, ist uns immer noch ein Rätsel, aber es funktionierte, und in den besten Händen war es ein mitreissendes Erlebnis.
Von den heutigen Teilnehmenden stachen die ersten vier besonders hervor: Treize Etoiles setzte von Startplatz 1 aus ein Ausrufezeichen, und Luzerne rundete den Tag mit einem absoluten Kracher ab.
Diese beiden liegen an der Spitze nur eine Nasenlochbreite auseinander, Valaisia ist mit dem kürzesten Abstand dahinter und Valaisian liegt nur einen zurück.
Iwan Fox
4BR-Prediction:
1. Treize Etoiles
2. Brassband Bürgermusik Luzern
3. Valaisia Brass Band
4. Ensemble de Cuivres Valaisan
5. Brass Band Berner Oberland
6. Brass Band Fribourg
BBN-Vorhersage:
1. Treize Etoiles
2. Valaisia Brass Band
3. Brass Band Berner Oberland
4. Brassband Bürgermusik Luzern
5. Ensemble de Cuivres Valaisan
6. Oberaargauer Brass Band
Startnummer 10: Brassband Bürgermusik Luzern (Michael Bach)
Der Start gelingt den Lokalmatadoren mit exakten Tubas und dem passenden Einstieg der restlichen Register. Ein paar ungewohnte Kratzer schleichen sich ein (der langen Wartezeit geschuldet?), doch sie lassen sich davon nicht beirren und ziehen ihr Ding durch. Sie bringen die PS zurück auf die Bühne und rasen ohne Probleme durch die technischen Passagen.
Der Klezmer wurde von Michael Bach und der Band sehr unterhaltsam gestaltet - etwas torkelnd wie nach ein paar Bieren zu viel bringen sie die richtige Menge Komik in das Stück. Sie nehmen sich zu Recht die Freiheiten raus und schaffen es, uns als letzte Band des Tages zu überraschen.
Anschliessend kehren wir mit einem kompromisslosen Orgelklang in die Brass Band-Welt zurück und der Choral entfaltet sich. Sie zeigen, wer hier zuhause ist und markieren einen wuchtigen Schlusspunkt des ersten Wettbewerbsteils und damit eine gute Ausganslage für morgen.
MVP: Solo Posaune
Michael Franz
----
Welch eine fein abgestimmte Kombination aus Verständnis und Ausführung von den Lokalmatadoren – getragen von einer so überzeugenden Interpretation der Partitur durch den musikalischen Leiter!
Ein grandioser Auftakt mit der zarten Bb-Tuba, die sich in Komplexität steigerte, aber dabei ein bemerkenswertes Mass an Klarheit und Stil bewahrte – Bernsteins „West Side Story“ im Herzen der Kantone.
Nur ein, zwei kurze Momente der Unsicherheit, die aber nicht störten, da die musikalische Substanz dominierte – kultiviert und präzise, aber auch ungemein stilvoll – der Walzer, der Choral und insbesondere die wandelbaren Klezmer-Elemente wurden so treffend dargestellt. Es lag eine mitreissende Lebendigkeit in der Musik, die einen nicht mehr losliess.
Gewaltige Klänge, die zu einem grandiosen „Glass“-Höhepunkt führten, und die darauf folgenden Kontraste zeugten erneut von tiefem Verständnis und erstklassiger Darbietung. Die ungewöhnlichen Effekte der Senza Misura waren hervorragend gespielt – ebenso wie die Heimkehr.
Dies hatte schließlich jenen rohen, instinktiven Kontext, der aus diesem ersten DNA-Strang aufgebaut war, mit einem Finale, das alle begeisterte – und das tat es mit dem darauf folgenden Beifall beinahe verdient.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 9: Brass Band Berner Oberland (Véronique Gyger)
Sehr feiner Start der Berner Oberländer. Sie suchen die Dynamik nach unten, um die Effekte besser zur Geltung zu bringen und das gelingt. Die verrückte Stilmischung wird zu einem sinnvollen Ganzen verwoben. Die Reprise des Anfangs gelingt ihnen sogar noch besser und das starke Tubaregister stützt die Band im Choral mit einem soliden Fundament.
Nach dem Klezmer-Intermezzo lassen sie es krachen, bevor im Senza Misura wieder Energie rausgenommen wird. Sie präsentieren eine ganz andere Version davon, nämlich eine Trickserei zwischen Solo und Soprano Cornet in der Kadenz. Ob sie das hinter dem Juryvorhang gemerkt haen? Vermutlich nicht.
Schöne Begleitung des Marimbas zur Band und liebliche Ausgestaltung des (wie Iwan es nennt) John-Williams-Themas. Das Finale ist kraftvoll und schliesst eine tolle Performance stimmig ab.
MVP: Tubas
----
Es kommt selten vor, dass wir bei einem Werk von Doss zwei Partituren erleben, die sozusagen dieselbe musikalische DNA teilen und so nah beieinander liegen, aber bei Mélodia und nun auch bei der Brass Band Berner Oberland ist dies der Fall.
Die Zurückhaltung zu Beginn wirkte hervorragend, mit einem leichten, subtilen Spiel der B-Tuba, das im Verlauf der zunehmenden Komplexität aufgegriffen wurde, aber mit einer Klarheit, die das wunderbar zarte Snare Drum-Spiel zum ersten Mal heute erklingen liess. Es setzte sich im selben Stil fort – kultiviert und kontrolliert.
Nicht alles in den Melodielinien und im Ensemble gelang, aber die musikalischen Beobachtungen zeugten von forensischer Schärfe. Das Schlagzeug brillierte erneut, obwohl der Aufbau zum Höhepunkt mit seinen brodelnden Untertönen die Sinne nicht ganz so überwältigte, wie er sollte, und der Klezmer etwas steif klang.
Danach gab es viel zu geniessen, da die Dirigentin die Zügel allmählich lockerte und der Musik so zunehmend Energie und Wucht verlieh. Das Ergebnis war ein hervorragend inszenierter Schluss – der zuckersüsse, Start-Stop-Fluss wurde beibehalten, bevor es mit den letzten Takten richtig zur Sache ging. Es hatte etwas Besonderes.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 8: Ensemble de Cuivres Mélodia (Vincent Baroni)
Die Waadtländer starten überzeugt, wenn auch etwas zu laut. Die Räder scheinen nicht hunderprozentig ineinander zu greifen, doch immer wieder holen sie die Magie aus der komplexen Partitur hervor. Schöne Flügelhorn-Soli.
Der Perkussionist mit dem Geigenbogen hat ein feines Händchen und entlockt dem Instrument die delikaten, durchdringenden Töne, die Thomas Doss in seinen Werken so liebt. In voller Power klingt die Band toll und auch sie kreiern eine neue Variante der Senza Misura-Begleitung. Dieser Kniff von Thomas Doss bringt spannende Abwechslung in die Vorträge, die sonst aufgrund der gegebenen Form viel Gleiches hervorbringt.
Mit einer hartnäckigen Unerbittlichkeit knattern die tiefen Register dem Schluss entgegen und auch sie werden mit Jubelstürmen belohnt.
MVP: Perkussion
Michael Franz
----
Eine kompakte, in sich geschlossene Interpretation, die dennoch Raum für freie Entfaltung bot und an den richtigen Stellen die musikalischen Fesseln sprengte. Die präzise Arbeit war bewundernswert – nichts wirkte übertrieben, doch die Zielsetzung war klar, bevor die Lautstärke auf Led-Zeppelin-Niveau angehoben wurde. So entstanden wohl dosierte Stilkontraste, unterstützt von souveränen Soli, die mit vollem Einsatz spielten.
Der Aufbau zum grandiosen Philip-Glass-Höhepunkt, ein Klangteppich mit brodelndem Kern, war eines der besten Stücke des Tages, ebenso wie das Posaunensolo im Klezmer – allesamt gelungene Parodien auf „If I were a rich man“.
Was folgte, war aus der DNA des Schweizer Rocks geformt. An Stellen, wo Feingefühl gefragt war, wirkte es etwas zerbrechlich, doch die energiegeladene Dynamik war von „senza misura“ an spürbar. Ein wenig an Zusammenhalt ging verloren, als die Musik sich spiralförmig wieder zu ihrem ursprünglichen, von einer schrillen Tuba inspirierten Klang zurückwand. Trotzdem war es ein aufregendes Erlebnis.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 7: Oberaargauer Brass Band (Roland Fröscher)
Die Oberaargauer lassen auf sich warten und starten mit fünf Minuten Verspätung auf den Zeitplan. Sie lassen sich dadurch jedoch nicht stressen und starten mit einer lässigen Coolness in das Teststück. Die Tempowahl des Dirigenten ist genau richtig und die Musik fliesst über die ungewöhnlichen Taktarten dahin. Auch sie wissen viel Dramatik zu erzeugen, ein paar Ungereimtheiten liessen sich jedoch nicht vermeiden.
Das Senza Misura strukturieren sie auf interessante, noch nicht gehörte Weise. Viel Herzblut ist im versöhnlichen Choral kurz vor Schluss hörbar, wobei die Hörner in ihrer wunderbaren zweiten Stimme darüber brillieren. Im Vortrag der Oberaargauer blitzte zwischendurch die Magie deutlich auf und findet ein Ende mit krachenden Perkussionsschlägen.
MVP: Hörner
Michael Franz
---
Eine kühne, verlockende stilistische Interpretation der Doss-DNA-Analyse, auch wenn die Umsetzung etwas uneinheitlich war. Manchmal hatte das Ganze einen pulsierenden, fast instinktiven Rhythmus – die Musik pulsierte mit Ibiza-Dancefloor-Vibes. Es ergab aber Sinn – und die Kontraste zu den zarten Bach/Mahler-Chorälen und Alpenliedern waren sehr gut herausgearbeitet.
Die Band war am stärksten, wenn sie ihr volles Klangspektrum entfaltete, weniger wirkungsvoll in den feineren Passagen. Das Klezmer-Intermezzo war jedoch ein absolutes Highlight. Danach lief alles nach Plan, obwohl die inneren Details nicht ganz so deutlich hervortraten wie bei manch anderen Bands am heutigen Tag. Das „Senza Misura“ bildete eine effektive Brücke zu einem ausgewogenen, sauber aufgebauten Drive hin zu den scheinbaren Schlüssen, auch wenn es dynamisch etwas eindimensional wirkte.
Der „Emerald Isle“-Flow von John Williams blieb jedoch stets präsent, und die Rückkehr des ursprünglichen Bassfadens verlieh dem Ganzen einen fulminanten Abschluss.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 6: Valaisia Brass Band (Arsène Duc)
Sehr filigraner Beginn in der Bb-Tuba. Die Hornsection funktioniert bestens und die Räder beginnen ineinander zu greifen. Das technische Können in der Band ist auf höchstem Level.
Die Band hat ebenfalls unglaubliche Solisten in ihren Reihen, welche die schwierigen Kadenzen mühelos vortragen. Die Reprise des Anfangs gelingt ihnen wunderbar in leisester Dynamik und doch präzis wie ein Uhrwerk. Vor dem Klezmer packen sie das grosse Kino aus und legen ihre ganze Dramatik in die Waagschale.
Die Cornets bringen die Spezialeffekte mit Trillern, Tremoli und Flatterzungen zur Geltung wie noch keine Band zuvor. Als ob wir nicht schon genug Dramatik erlebt hätten, setzen sie am Schluss nochmals einen obendrauf und erzeugen im langgezogenen Schluss eine derartige Spannung, dass im ganzen Saal Hühnerhaut erzeugt worden sein muss.
MVP: Solo Euphonium
Michael Franz
----
Eine so stilvoll ausgefeilte Arbeit– die Übertreibung wurde gezügelt, um den Kontext und die Verbindung zum roten Faden zu wahren, der mit ballettartiger Anmut vom B-Tuba-Intro eröffnet wurde.
Diese Zurückhaltung wurde in jeder Variation sorgfältig herausgearbeitet und geformt – der Groove, der bluesige Funk, die ungewöhnlichen Zwischenspiele und der Choral, der von einer solchen Zartheit durchdrungen war. Glorreiche, orgelartige Klänge umhüllten den Saal und durchfluteten ihn – wahrlich wahrhaftig – in ihrer epischen Wucht und ihrem Ausdruck Mahleresk. Das kleine Klezmer-Intermezzo behielt seinen eigentümlichen Charakter, bevor die Pforten der Hölle selbst sich öffneten.
Dies war ein Spiel von erstaunlicher Grösse – und doch kristallklar in seiner vielschichtigen Kohärenz. Der darauf folgende Kontrast (zunächst angeführt von einem wunderbaren Solo Cornet) wurde so gekonnt aufrechterhalten, bevor wir mit brodelnder Intensität und sprühender Technik voranschritten.
Das war atemberaubend, fantastisch in seiner schlanken, kraftvollen Struktur, bevor dann noch ein paar DNA-Drehungen vorgenommen wurden, um den K.o.-Schlag am Ende zu landen, der die Halle zum Kochen brachte. Sie sind ohne Zweifel ganz vorne mit dabei.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 5: Ensemble de Cuivres Valaisan (Jean-François Bobillier)
Sie brauchen ein paar Takte, um sich zu finden und nehmen dann das Messer zwischen die Zähne. Die 32-tel in den Cornets knallen wie Schüsse durch den Saal und sie nehmen uns mit den Assoziationen mit auf eine Fahrt mit einem Piratenschiff. Die Wellen peitschen gegen das Schiff, wir wiegen mit der Musik und doch lauert überall Gefahr.
Das Flügelhorn beruhigt die Szene und lädt uns zum Träumen ein. Doch die Brechstange können sie nicht ganz weglegen. In den lauten Stellen kommt ihnen dies anschliessend wieder zugute und die groben Akkorde werden mit einer Vehemenz und vollständiger Überzeugung hingesetzt.
Fantastische Kadenz des Principal Cornetisten. Beeindruckend! Am Schluss können sie ihre Power als ihre grosse Stärke nochmals ausspielen und lassen den Saal erbeben.
MVP: Principal Cornet
Michael Franz
----
Was für eine ungemein stilvolle Darbietung! Mit einer lässigen, subtilen Mischung aus köstlichen, mal exotischen, mal aufregenden Aromen, die aber stets den roten Faden der Musik bewahrten.
Der Percussion-Effekt spielte durchweg eine wichtige Rolle, nie aufdringlich, aber immer präsent und interessant. Auch die Solisten strahlten grosses Selbstvertrauen aus und genossen die Bühne in vollen Zügen. Ein, zwei kleine, etwas holprige Momente störten den Gesamteindruck jedoch nicht. Der musikalische Leiter rührte den musikalischen Kern wie ein Alchemist, bevor er brodelnde Magma-Wellen ausgoss.
Die Stilwechsel funktionierten hervorragend, mal subtil, mal weniger subtil – die Klezmer-Posaune war grandios, das Folgende traf einen wie eine Exocet-Rakete. Das „Senza Misura“ beschleunigte den Puls wie eine Überdosis Red Bull, der Choral bot einen kurzen Moment der Ruhe vor dem bissigen Finale, gespielt mit stetig wachsender Intensität, Energie und einer an Willy Wonka erinnernden, überschäumenden Kraft.
Was für ein Finale – fabelhaft und fantastisch, gewagt, aber nicht leichtsinnig, ein Fest für die Sinne. Ein rundum gelungenes Vergnügen.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 4: Liberty Brass Band (Stefan Roth)
Die Ostschweizer starten mit einer unglaublichen Coolness (nach dem ersten Takt). Der Groove ist greifbar und die Hörner harmonieren wie eine Eins. Danach können sie den Stil-Schalter sofort umlegen und den Hammer auspacken, wo es nötig ist.
In der Mitte des Stücks schleichen sich plötzlich ein paar Kleinigkeiten ein. Die letzte Überzeugung wird vermisst, doch kurz darauf sind sie mit dem schnellen Tempo wieder zurück im Geschäft. Sie treiben das Stück mit viel Energie zum Ende und holen sich Jubelschreie ab.
MVP: Flügelhorn
Michael Franz
----
Eine Performance, die etwas Zeit brauchte, um ihren Bernstein-esken Groove zu finden (was für Kenner der britischen Musikszene tatsächlich an „Captain Scarlet Indestructible“ erinnert), aber als sie ihn gefunden hatte, pulsierte und vibrierte sie vor Energie.
Manche der stilistischen Wendungen wirkten zeitweise etwas uneinheitlich, doch immer wieder durchsetzt mit brillanten Soli und herrlichen, sprudelnden Klangwellen. Sie näherten sich gefährlich der Topol-„Anatevka“-Ära, traf aber genau den richtigen Grad an komischem Klezmer-Charme und war danach einfach brillant – die „senza misura“ war perfekt.
Von da an begeisterte das Spiel mit einer enormen Dynamik und Klangschichten, die zu einem süsslichen, fast irischen Jig-inspirierten Finale mit mehreren Facetten führten. Ein grandioses, übersteuertes Spiel brachte das Ganze zu einem mitreissenden, fulminanten Schluss.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 3: Ensemble de Cuivres Jurassien (Thomas Wyss)
Die Jurassier tragen eine inspirierte Darbietung von Genetic Code vor. Thomas Wyss führt die Band mit viel Schwung durch den komplizierten Start. Fantastische Kadenzen von Solo Euphonium und Solo Posaune. Sie meistern die komplizierte Aufgabenstellung mit viel Musikalität.
Die Band spielt leichtfüssig mit den Dynamiken, doch das Zusammenspiel könnte teilweise besser sein. Gegen Ende scheint etwas Müdigkeit aufzukommen, was bei dieser Herausforderung allzu verständlich ist. Doch sie runden den Auftritt gekonnt ab und nehmen einen grossen Applaus in Empfang.
MVP: Solo Euphonium
Michael Franz
----
Eine Performance, die vom musikalischen Leiter mit solch klarem Verständnis dargeboten wird – insbesondere, indem er den metronomischen Puls beibehält und die musikalische Linie konstant hält, selbst wenn alles um ihn herum im Wandel zu sein scheint. Die offensichtlichen kleinen Makel und vermeidbaren Fehler werden in dieser hochkarätigen Gesellschaft bemerkt, ebenso wie einige herausragende Soli.
Man fragt sich mitunter, wie der Komponist die Stile miteinander verwebt. Doch es funktioniert auf surreale Weise und es gibt glorreiche Momente, in denen die binären rhythmischen Pulsationen gewaltige lyrische Klangwellen untermalen – so meisterhaft umgesetzt von der Band, ebenso wie die Klezmer- und Lander-Ausflüge.
Noch einmal sind kleine Momente der Müdigkeit im musikalischen Faden zu hören, doch die freie Improvisation führt zu einem fein abgestimmten Schlussset mit schier unzähligen Enden, bevor der eigentliche Höhepunkt mit voller Wucht und Entschlossenheit einsetzt.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 2: Brass Band Fribourg (Adrian Schneider)
Die Fribourger starten nicht mit der ganz gleichen rasiermesserscharfen Präzision in das Werk. Ihre grosse Zeit kommt jeweils in den getragenen Passagen, welche sie mit viel Herzblut gestalten. Die Posaune hat eine etwas undankbare Kadenz mit enormen Tonsprüngen zu absolvieren, welche der Fribourger jedoch sehr gut meistert - ebenso wie die spätere Klezmer-Stelle.
Im Schlussteil mit der Glockenspielbegleitung schwappt fast schon etwas weihnachtliche Stimmung von draussen in den Saal hinein und die Fribourger rocken den Schluss. Die letzten paar Takte sind sehr effektiv gestaltet und erzielen die gewünschte Wirkung beim Publikum.
MVP: Solo Posaune
Michael Franz
----
Fribourgs Interpretation der DNA-Sequenz war etwas weniger grell und innovativ, doch trotz gelegentlicher Ungenauigkeiten in verschiedenen Genres blieb der essentielle, konsistente Faden des Verständnisses und der Ausführung erhalten. Die enorme Dynamik und der Drive waren nach wie vor vorhanden, aber Balance und Textur waren nicht immer so klar – obwohl die gedämpfte Intonation besser war.
Die Stilwechsel waren hervorragend miteinander verwoben – die Anklänge an Mahler und Bach in den Chorälen, der Bernstein-Funk der Grooves und die bluesigen Nuancen, die den ungewöhnlichen Ausflug in Lander-Walzer und Klezmer begleiteten – alles mit souveräner Eleganz gespielt. Die Extreme wirkten etwas übertrieben, aber die mitreissende Energie war spürbar – Intensität und Rhythmus blieben selbst in den etwas kitschigen John-Williams-artigen Schlusspassagen erhalten. Es überforderte die Sinne jedoch einmal zu oft und ermüdete sie nach den ansonsten gelungenen 15 ½ Minuten.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 1: Brass Band Treize Étoiles (Frédéric Théodoloz)
Die Walliser sind natürlich ein Publikumsmagnet und füllen den Salle Blanche schon zehn Minuten vor dem Auftritt ihrer Lieblinge. Wir hören zu ersten Mal das epochale Werk von Thomas Doss. Die Walliser spielen die Abfolge der kompliziertesten Taktarten mit einer Leichtigkeit, dass man ohne Probleme dem Vortrag auch ohne Partitur folgen kann. Die unglaubliche Präzision, für die sie seit Jahren bekannt sind, können sie in diesem Teststück ausspielen und man hört fast alles, was man muss. Einzig in der Principal Cornet-Kadenz ist die Begleitung etwas zu laut.
Doss hat kurze Teile mit verschiedenen Musikstilen verwebt, welche immer wieder durch Flügelhorn-Soli unterbrochen werden. Der Spezialpreis geht in dieser Kategorie folgerichtig an dieses Instrument und bereits in der ersten Band haben wir einen ernsthaften Anwärter darauf.
Dirigent Théodoloz leitet seine fantastischen Musikerinnen und Musiker gekonnt durch das vielschichtige Werk und hat jederzeit alles im Griff. Sie gestalten die Einzelteile schön auf ihre jeweilige Weise und gerade, wenn man mitschunkeln will, haut Doss einen krassen Akkord in die Partitur, den die Walliser ohne Kompromisse in den Saal jagen.
Puh, das war ein grandioser Start. Mal schauen, ob das getopt werden kann.
MVP: Euphonium
Michael Franz
---
Nicht einmal eine dritter Startnummer 1 in Folge bei einem grossen Wettbewerb konnte die schiere Brillanz der technischen Ausführung dieser aussergewöhnlichen Virtuosenband schmälern. Alles, was ihnen hier vorgelegt wurde, spielten sie mit solch einer polierten Präzision – vom einleitenden Bb-Bass bis zu den donnernden Ensembleläufen, die das Werk zu seinem epischen Finale führten.
Zwischendurch bot uns Thomas Doss eine Fülle fantastischer Erkundungen verschiedener Genres und Stile – die Klezmer-Posaune war besonders inspirierend. Doch es war die Art und Weise, wie diese musikalische DNA, ein Geflecht aus Windungen und Drehungen, dessen reine Elemente dennoch in die Struktur jeder Linie eingebettet sind, in der Darbietung so deutlich zum Ausdruck kam.
Zweifellos fantastisches Spiel – eine enorme Dynamik, Klangfarben, Balance und Texturen, die technisch und stilistisch so meisterhaft miteinander verbunden wurden.
Wow. Was für ein Meilenstein!
Iwan Fox, 4barsrest
Genetic Code (Thomas Doss)
Das diesjährige Pflichtstück der Höchstklasse stammt vom österreichischen Komponisten Thomas Doss und trägt den Titel Genetic Code.
Die Inspirationsquelle ist die Gesamtheit der Naturgesetze, die lebende Zellen nutzen, um die in genetischem Material (DNA- oder RNA-Sequenzen) kodierte Information in Proteine zu übersetzen. Diese werden üblicherweise durch 64 Gene und Varianten exprimiert. Die Universalität dieses Codes findet sich in nahezu allen Organismen der Erde und fungiert, wie der Komponist schlussfolgert, als eine Art gemeinsame Sprache. Die Tatsache, dass Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermassen dieser Universalität unterliegen, fasziniert den Komponisten immer wieder aufs Neue.
Um dieses Phänomen zu veranschaulichen, wählte er ein spezifisches musikalisches Motiv, das sich wie ein roter Faden durch die verschiedenen musikalischen Passagen des Werkes zieht. Wie er im Vorwort erklärt, durchzieht Thomas Doss' DNA-Sequenzierungstechnik ein umfangreiches, aber nicht schwerfälliges Motiv, das ursprünglich in der Solotuba in B erklingt, dann aber rasch weiterentwickelt und verändert wird. Es windet sich spiralförmig im Verlauf des Stücks. Es ist so raffiniert gemacht, dass man die musikalischen Linien manchmal genau betrachten muss, um zu erkennen, dass die Inspirationsstränge den ursprünglichen Faden beibehalten – der Mahler-artige Choral ist ein gutes Beispiel dafür.
Man mag es nicht vermuten, aber bei genauerem Hinhören wird die Linie nachgeahmt. An anderen Stellen findet sich nie eine richtige Auflösung, als ob die Musik ihrer Form noch eine weitere Facette hinzufügt. Und wer es schafft, aus scheinbar groovigem Funk einen Wiener Walzer und schließlich Klezmer-Freude zu formen, sollte neben Crick und Watson um den Nobelpreis mitspielen.
Man nehme noch ein paar geschmackvolle kurze Soli, die charakteristischen Glissandi, eine Prise „St. Magnus“ für ein paar Takte, etwas schwungvolles John-Williams-Flair und jede Menge leuchtende Perkussion – und schon hat man einen grossen, authentischen Publikumshit in der Hand.
Iwan Fox, 4barsrest
Die Startreihenfolge der Höchstklasse (Aufgabestück)

Bald geht es im Salle Blanche los mit dem Teststück der Höchstklasse. Genetic Code von Thomas Doss werden wir in dieser Kategorie zu hören bekommen. Unsere Vorschau dazu gibt es hier.
Um 18.00 Uhr starten im Luzerner Saal noch die Vorträge der 4. Klasse. Die Bands dieser Kategorie spielen Seal of Unity von Thierry Deleruyelle. Auch dazu haben wir eine Vorschau veröffentlicht.
Die Juroren der Elite sind übrigens Magnus Brandseth (Norwegen), Frode Rydland (Norwegen) und Andrew Duncan (Schottland).
Die Rangverkündigung der heutigen Wettbewerbe wird um 22.30 Uhr im Luzerner Saal stattfinden.
Ihre Meinung in der BrassApp
Erstellen Sie nun Ihre Rangliste unter brassapp.ch. Was denken Sie? Wer hat Sie am meisten überzeugt?
Übrigens sind die Community-Ranglisten der 3. und 2. Klasse bereits online. Vergleichen Sie Ihre Auswahl mit dem Endresultat der Community.
Startnummer 10: mgrr Brass Band (Roman Caprez)
Zum Abschluss der Elite hören wir die mgrr Brass Band, welche dank ihrem letztjährigen Sieg in der ersten Klasse in diese Kategorie aufgestiegen ist.
Sie starten überzeugt in Wilbys Teststück und zeigen keine Angst vor dem dunklen Wald. Das Solo Horn übernimmt die Verantwortung und geht mit einem hervorragenden Solo voran. Im dritten Satz verliert das Ensemblespiel etwas den Fokus, doch zur magischen Verwandlung des Posaunisten sind alle wieder auf einer Linie.
Die Solisten haben wundervolle Abschnitte, doch leider zeigen sie auf der grossen Bühne etwas nerven. Der Schlussabschnitt nimmt nochmals viel Schwung auf und bringt uns einen wunderbaren letzten Schlussakkord von Arden Forest.
MVP: Solo Horn
Michael Franz
----
Eine rundum gelungene Darbietung, die einen Wettbewerb mit zahlreichen hervorragenden Leistungen abschloss.
Die musikalische Leitung war sehr gut, auch wenn die Dynamik stellenweise etwas angestrengt wirkte. Ein wenig mehr Feingefühl hätte den geheimnisvollen und magischen Zauber eines Mittsommers noch besser eingefangen, doch die Grundlage war vorhanden.
Bei einem so anspruchsvollen Werk wie diesem schien die musikalische Geschlossenheit an manchen Stellen etwas zu schwächeln, doch das Ensemble stellte den Zusammenhalt wieder her, und das Euphonium glänzte mit einer schauspielerischen Attitüde.
Die letzten Abschnitte steigerten sich in Intensität und Spannung und rundeten so eine gehaltvolle Darbietung ab.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 9: BML Talents (Patrick Ottiger)
Es ist jedes Jahr wieder beeindruckend, wie jung die Mitglieder der BML Talents sind und wie unfassbar gut sie spielen. Sehr feine Eröffnung von Arden Forest mit einem gefühlvollen Euphonium und starken Tubas. Sie erzählen von A bis Z eine Geschichte, die für die Zuhörenden verständlich ist.
Der Bandsound ist immer kontrolliert und Klarheit steht vor Lautstärke. Insbesondere im letzten Teil, wo die Perkussion sich sehr gut mit dem Blech mischt und allen Solisten Platz gelassen wird. Hie und da gab es ein kleine Unsicherheiten, aber alles in allem eine Klasse Leistung.
MVP: Euphonium
Michael Franz
----
Was für eine grossartige Aufführung! Voller jugendlicher Energie und Elan vom ersten Ton an – die Spielfreude und zugleich die reife Selbstbeherrschung waren sowohl bei den Solisten als auch im Ensemble deutlich spürbar.
Der Dirigent gestaltete das Tempo der Musik gekonnt, sodass Klarheit im Tempo und ein ruhiger, fliessender Kern erhalten blieben. Zwar gingen mitunter einige feine Nuancen verloren, doch es war wunderbar, die jungen Musiker mit so viel Furchtlosigkeit (ein grosses Lob an die Solisten!) und Verständnis für den Gesamtkontext spielen zu hören.
Die Fugen wurden mit genau der richtigen, schelmischen Lebendigkeit gespielt, beschwingt und mitreissend, und das Finale hatte genau die richtige Wucht, um eine gelungene Aufführung fulminant abzuschliessen. Bravo!
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 8: Regional Brass Band Bern (Philippe Bach)
Der Beginn wirkt etwas gehetzt, doch Hörner und Tubas setzen wichtige Eckpfeiler für die gesamte Band. Der dritte Satz mit der ganzen Komik des Auftritts der Handwerker in Shakespeares Drama gelingt ihnen dann hervorragend. Sie haben nun die Kompaktheit gefunden und übertragen die Komik der Situation perfekt in die Musik.
Sehr sanfter Beginn des Flügelhorns im Mittelteil und wohlgestaltete Übergänge durch den Dirigenten. Die Schlussfuge hat einen runden Drive und schliesst eine weitere spannende Darbietung ab. Es werden Details entscheiden...
MVP: Flügelhorn
Michael Franz
----
Die überzeugendste Interpretation der Wilby-Partitur heute – eine, die die Shakespeare’schen Züge der musikalischen Anspielungen einfängt, die subtilen wie die ausgesprochen komischen, die kühnen wie die nuanciertesten.
Nur ein paar kleine Ungenauigkeiten und Fehler trübten den Glanz etwas, doch die Musikalität blieb ungetrübt – vom einsamen Flügelhorn bis zum schreienden, eselsköpfigen „Bottom“, vom brillanten Cornet bis zur heroischen Tuba.
Diese kleinen, feinen Nuancen mögen nicht für den Gesamtsieg reichen, doch die Beherrschung des musikalischen Stoffs, die perfekt getakteten musikalischen Dialoge und das harmonische Zusammenspiel bis zum Schluss verdienen besondere Anerkennung.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 7: Graubünden Brass (Gian Stecher)
Wunderbare Sololine des Principal Cornetisten im Anfangsteil. Etwas schärfere Anstösse könnten noch mehr Klarheit in die dichte Partitur der ersten Szene bringen. Die kraftvolle Vorbereitung zur Verwandlung wird von einem resonierenden Euphonium überstrahlt und anschliessend hören wir einen überzeugenden Esel des Solo Posaunisten. Die Solierenden überzeugen in der Verliebten-Szene und der Dirigent gestaltet einen spannungsvollen Aufbau im folgenden Choral.
Der Solo Euphonist nimmt sich genügend Zeit für die Ausgestaltung des Selbstgesprächs und sie treffen ein geschmeidiges Tempo für die letzten beiden Szenen. Ein toller Vortrag der Bündner, der aber schwierig im bisherigen Gehörten einzuordnen ist.
MVP: Euphonium
Michael Franz
----
Eine Aufführung, die nicht ganz die Summe ihrer Teile war – viele davon waren, das muss man sagen, exzellent, insbesondere der junge Solo Cornetist, der herausragend war.
Wenn das Ensemble harmonierte, hatte der Klang eine grossartige Textur und Ausgewogenheit – schade nur, dass der Glanz durch einige wenige kleine Störgeräusche und Aussetzer etwas getrübt wurde. Der musikalische Leiter arbeitete sich tief in die Partitur ein, um den Charakter sowohl lyrisch als auch dramatisch herauszuarbeiten, doch es fehlte ihr ein Hauch von magischer Finesse, der beinahe, aber eben nicht ganz, erreicht wurde.
Die abschliessenden „Acts“ hatten jedoch eine unverkennbare Qualität und fingen die wachsende Begeisterung (Kommentar in der Partitur) der jungen Theaterfiguren ein, ebenso wie den visionären Triumph des Schlusses, angeführt von einer grossartigen, virtuosen Tuba-Gruppe und einem Beckenspieler, der den Preis für die beste Choreografie gewinnen würde.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 6: Brass Band Cazis (Robin Bartholini)
Sehr feine gedämpfte Begleitung in den Cornets zu Beginn des Stücks. Die Bündner finden gut ins Werk und schaffen es, über den ganzen Vortrag hinweg effektvolle Atmosphären zu kreieren. Sie treten sehr ausgeglichen und wohlgeformt im Klang auf.
In den schnellen Teilen, vor allem gegen den Schluss, ist der Puls innerhalb der Band zwischen den Bläsern und der Perkussion nicht immer homogen. Dennoch eine runde Präsentation, die die Essenz der Shakespeare-Szenerie darzustellen vermag.
MVP: Principal Cornet
Michael Franz
----
Eine engagierte Interpretation, die zwar technisch nicht ganz perfekt klang, aber umso mehr durch ihre mitreissende Musikalität überzeugte.
Die musikalischen Fähigkeiten des Dirigenten blieben dabei stets spürbar – sie fingen sowohl die dunklen und hellen Nuancen als auch die subtileren Klangfarben und Texturen gekonnt ein. Die Solisten bewiesen in ihrer Herangehensweise ein gutes Gespür für die Theatralik und wurden von einem soliden Ensemble unterstützt.
Manchmal hätte es vielleicht etwas mehr Magie im Mondschein vertragen können, doch im Waldambiente war alles vorhanden. Die Fuge plätscherte dahin und steigerte sich zu einem befriedigenden Finale.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 5: Brass Band Eglisau (Andreas Buri)
Überzeugter Beginn der Eglisauer mit präziser Technik. Die Sechzehntel werden an die richtigen Stellen positioniert und in den Saal (im positiven Sinne) genagelt. Die Hörner kreieren Sound aus der Mitte des Ensembles und verbinden die hohen mit den tiefen Stimmen.
Der Mittelteil wird etwas weniger ausgekostet, als wir es auch schon gehört haben. Den Schlussteil präsentieren die Eglisauer wieder mit spitzen Zungen und glasklaren Sechzehntelläufen, wiederum perfekt unterstützt von den Mittelstimmen. Sie treffen den Fugen-Stil sehr gut und haben genügend Ausdauer, um das Werk majestätisch abzuschliessen. Das Publikum freuts und uns auch!
MVP: Principal Cornet
Michael Franz
----
Was für eine durchdachte und sorgfältige Herangehensweise des Dirigenten und seiner Band doch an den Tag legten – ein leichtes Spiel, bis schliesslich die nötige Kraft gefragt war.
Nur gelegentlich verlor die Musik etwas an Zusammenhalt, doch musikalisch sprach sie mit poetischer Sprache, insbesondere die Soli der Lead-Stimmen, die beinahe rezitierten. Es war wohltuend, die Musik so gestaltet zu hören, selbst mit den gelegentlichen kleinen Unsicherheiten.
Jede Szene hatte einen klar definierten Anfang, Mittelteil und Schluss, bevor sie ihren Zweck der Szenenbeschreibung und ihre leichte Substanz vollends entfaltete. Ein bisschen anders und gerade deshalb so gelungen.
Iwan Fox, 4barsrest
Sommernachtszauber von Wilby: Kommentar von Iwan Fox
Arden Forest wurde für die Höchstklasse dieses Events in Betracht gezogen – und das völlig zu Recht.
Wilby präsentiert sich hier in seiner wunderbaren, erfinderischen Höchstform und fängt die Essenz von Shakespeares Stück in all seiner Charakterpracht sowie die in den Worten des Barden von Stratford verborgenen Andeutungen ein. Diese Musik ist voller Geheimnisse und Magie, Identitätsfragen, Schatten und Visionen, Hybris, Komik und Liebe – alles unter dem klaren Schein des Waldmondes irgendwo zwischen Athen und Stoke-on-Trent.
Und niemand versteht es so gut wie Wilby („Masquerade“ etc.), eine mondhelle Nacht zu gestalten, wenn die Kobolde und Feen mit den Handwerkern der umherziehenden Laienschauspieler spielen. Das Stück wird auf wunderbare Weise zum Leben erweckt – insbesondere die Solisten, vom kühnen Euphonium als Quince über die schrille Trompete als Bottom bis hin zum Flügelhorn als Titania und dem schelmischen Soprano Cornet-Puck.
Welch ein immenser Gedankenschatz verdichtet sich in den klar definierten „Szenen“, die die musikalische Perspektive mit Geschick und Dramatik verändern. Einfach brillant komponiert – es ist ein Genuss, solch komplexe Musik mit solch klarer Gedankenführung, Struktur und Zielsetzung zu hören – nichts ist überflüssig, aufgebläht oder nur dem Effekt wegen (in der Dauer von nur 16 Minuten).
Ein beeindruckendes Stück, das von den Bands bisher mit Bravour interpretiert wird.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 4: Brass Band Rickenbach (Florian Lang)
Die tiefen Register produzieren einen dunklen, bedrohlichen Sound, der uns in die Stimmung des dunklen Waldes eintauchen lässt. Scharfe Cornets ergänzen das Szenario mit ihren Lichtblitzen. Die Posaunen läuten die Verwandlung mit einem massiven Glissando ein, bevor die beiden Verliebten am Bühnenrand sich viel Zeit für ihr Duett nehmen und es wunderbar ausgestalten.
Das Selbstgespräch des Euphoniums wird supersanft im höchsten Register vorgetragen, top! Als das Stück wieder Fahrt aufnimmt, werden die 9 (!) verschiedenen Cornet-Stimmen in Klarheit präsentiert und wir galoppieren gemeinsam in den Schluss. Mit voller Kraft schicken sie die Schlussakkorde in den gut gefüllten Saal hinein.
MVP: Euphonium
Michael Franz
----
Eine wirklich interessante Betrachtung – mutig dargestellt, insbesondere durch die herausragenden Hauptdarsteller, aber getragen von einem eher zurückhaltenden, subtilen Ensemblespiel.
Der musikalische Leiter hielt die Balance hervorragend und brachte die Details dennoch gekonnt zur Geltung. Der Fokus wurde jedoch erst durch die eleganten Hauptdarsteller richtig lebendig – jeder einzelne von ihnen fesselte das Publikum mit seinem Spiel.
Die wachsende Spannung des vorletzten, fugenreichen und schwungvollen siebten Akts fand schliesslich einen fulminanten Abschluss. Grossartig!
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 3: Ensemble de Cuivres Euphonia (Glenn Van Looy)
Im Vergleich zu vorhin sind die Schauspielenden bei Euphonia im übertragenen Sinne etwas weniger krass geschminkt. Sie liefern jedoch eine runde Performance mit wohlbalancierten Registern ab. Diese Ausgeglichenheit strahlt ein wohlige Ruhe aus, die sie durch das Stück und insbesondere den Mittelteil trägt.
Und das Beste haben sie sich für den Schluss aufgespart: Der Dirigent lässt die Band nicht einfach dem Schlussstrich entgegen brausen, sondern gestaltet die Dramatik gekonnt und die Power der Band folgt ihm.
MVP: Principal Cornet
Michael Franz
----
Eine deutlich bedachtere Herangehensweise an die Shakespeare-Charakterisierung – aber nicht weniger fesselnd.
Dank eines Streicherensembles im Mittelteil des Orchesters erklingen dunklere, herbstlichere Klangfarben, die die düsteren Elemente der Komposition abmildern. Auch die Soli sind sehr hörenswert – zwar nicht im Belcanto-Stil, aber dennoch ausdrucksstark genug, um auch die hintersten Reihen des Saals zu erreichen.
Die musikalische Leitung hat die Stimmungswechsel hervorragend eingefangen – liebevoll wie humorvoll – und das Finale hatte einen mitreissenden Schwung und einen verspielten, schelmischen Unterton.
Eine rundum gelungene Aufführung – eine wirklich gelungene Interpretation eines Werkes, das sowohl tiefes Verständnis als auch meisterhafte Ausführung erforderte.
Iwan Fox, 4barsrest
Hintergrundwissen
Falls Sie etwas mehr Hintergrundwissen über die Komposition erfahren wollen, können Sie hier unsere Vorschau dazu lesen. Philip Wilby nimmt sehr viel Bezug auf die Theateraufführung von "Ein Sommernachtstraum" und hat diverse Regieanweisungen in der Partitur eingebaut.
Startnummer 2: Brass Band Emmental (Jan Müller)
Magischer Beginn der Titelverteidiger. Wunderbares Euphonium-Solo, welches sich nahtlos mit den Klängen des Tubaregister verbindet. Exzellenter Einsatz des Solo Horns, welches uns in die Nacht überführt. Die Perkussion ist teilweise etwas laut, die Akustik des Saals trägt ihre Klänge eben unglaublich gut. Die Band gibt im Fortefortissimo alles, welches wiederum das grosse Raumvolumen sehr gut aufnimmt.
Die vierte Szene wird von einem unglaublich weichen Flügelhorn in einer absoluten Gelassenheit eröffnet. Wow! Unterbrochen wird die Solistin von einem relativ störrischen Esel, der die Effekte grossartig herausarbeitet. Ein grandioses Selbstgespräch des Euphonium beendet die sechste Szene und Jan Müller baut im Übergang nochmals Spannung auf. Die letzten beiden Szenen werden wie vom Komponisten gefordert mit sich steigernder Erregung vorangetrieben. Der nimmermüde Soprano Cornetist glänzt über den breiten Bandsound und die Band wird zu recht mit einem begeisternden Beifall belohnt.
MVP: Solo Euphonium
Michael Franz
----
Eine deutlich effektvollere Inszenierung – wie ein Theaterstück, bei dem die Hauptfiguren von Beginn an im Mittelpunkt stehen. Die Kühnheit besass jedoch viel Finesse, auch wenn sie mitunter etwas zu stark betont wurde. Das Schlagzeug trug viel bei, manchmal vielleicht etwas zu viel, schuf aber gleichzeitig den Rahmen, in dem auch andere Musiker glänzen konnten.
Welch grossartige Solisten! Das zarte Flügelhorn, die komische Posaune als „Bottom“ usw., die die Handlung vorantreiben. Besonders hervorzuheben war jedoch die Gestaltung der Szenen im Mittelteil durch den musikalischen Leiter. Alle Elemente waren vertreten – Themen wie Geheimnis, Liebe, Identität, Komik und Leidenschaft wurden so souverän präsentiert, bis hin zur abschliessenden triumphalen Wilby-Fuge.
Hochwertiges Spiel und eine mitreissende Interpretation.
Iwan Fox, 4barsrest
Startnummer 1: Brass Band Harmonie Neuenkirch (Manuel Imhof)
Zusammen mit der Brass Band Harmonie Neuenkirch betreten wir zum ersten Mal den Wald von Arden. Nach dem mysteriösen Start im Mondlicht tauchen wir ab in die Dunkelheit der Nacht, wo es viel zu entdecken gibt. Die Posaunen blitzen immer wieder auf, wie die Augen eines Waldtieres, wenn man mit der Taschenlampe auf sie trifft. Maestro Imhof führt die Taschenlampe bewusst und lässt die einzelnen Register zum richtigen Zeitpunkt aufleuchten.
Der Auftritt der lustigen Handwerker wird wirkungsvoll vorgetragen und die Verwandlung Bottoms wird auf dramatische Weise eingeläutet. Der Posaunen-Solist macht uns den Esel am Bühnenrand und anschliessend wird die liebliche Melodie der Verliebten durch die weiteren Solisten weitergereicht.
Beschwingt erreichen wir den Schluss des sehr musikalischen Werks. Toller Auftakt!
MVP: Solo Posaune
Michael Franz
----
Was für eine kühne, bravouröse Uraufführung von Neuenkirch! Dieses Werk, das eine wahre Herausforderung für Musikalität und Shakespeare-hafte Charakterzeichnung von Philip Wilby darstellt, war ein voller Erfolg.
Die Musizierenden und der Dirigent boten so viel zu entdecken: virtuose, aber nicht bloss akrobatische Soli, ein detailreiches, vielschichtiges und nuancenreiches Ensemblespiel. Sie gaben wirklich alles – insbesondere die Solisten (die Posaune als Esel „Bottom“ war genial) und das Schlagzeug, das die Atmosphäre so wunderbar bereicherte.
Manchmal kamen nicht alle Details zum Vorschein, aber der Charakter des Werkes war stets präsent – bis hin zum triumphalen Finale.
Was für ein Meilenstein dies war, bleibt abzuwarten...
Iwan Fox, 4barsrest
Die Startreihenfolge der Elite

Das Teststück der Elite: Arden Forest (Philip Wilby)
Philip Wilbys neuestes Werk ist von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ inspiriert. Das um 1595 entstandene und im Wald von Arden angesiedelte Stück zählt zu seinen meistbewunderten Meisterwerken und schildert die lebhaften Intrigen von Figuren aus Adel und Volk, die sich kreuzenden Schicksale vier junger Liebender und das Auftauchen von Elfenwesen, die in der britischen Folklore so beliebt sind.
Durch das subtile Verflechten von Zaubersprüchen und übernatürlichen Eingriffen folgt Wilby der Shakespeare’schen Erzählung und webt eine achtteilige Episodengeschichte, in der Haupt- und Nebenhandlungen mit Finesse und Fantasie ineinandergreifen. Der Höhepunkt der Komödie ist erreicht, als Bottom, der Weber, in einen Esel verwandelt wird und die Liebe der Elfenkönigin gewinnt.
Die gesamte Handlung spielt sich im Mondlicht des geheimnisvollen Wald von Arden ab, bis die ersten Strahlen der Morgendämmerung eine herzogliche Hochzeit ankündigen. Sie endet mit Shakespeares letzten Zeilen:
„Wenn dich diese Schatten beleidigt haben, so denke nur daran, und alles ist wieder gut: Du hast hier nur geschlafen, während diese Visionen erschienen.“
Meinungen zur 3. Klasse
Zuallererst – was für ein grossartiges Stück von Simon Dobson! Thought Gap ist zugänglich und anspruchsvoll dank seiner Originalität – klug und tiefgründig, zugleich mit einer Klarheit in der Komposition.
Alle fünf Dirigenten haben die Essenz des Werkes erfasst, die Dunkelheit, Zärtlichkeit und Lebensfreude in Einklang bringt, ohne dabei in irgendeiner Hinsicht überheblich zu wirken (wovor der Komponist selbst gewarnt hat). Wir hoffen, es bald wieder zu hören.
Und wer gewinnt?
Die walisisch-schweizerische Presse ist sich uneins, aber nicht über einen möglichen Gewinner.
Der 4BR-Redakteur tippt auf:
1. Ensemble de Cuivres Jurassien B (Florian Lab)
2. Brass Band Gürbetal (Joram Bots)
3. MG Ufhusen (Sandro Frautschi)
Der Redakteur von BRASS BAND NEWS tippt auf:
1. Ensemble de Cuivres Jurassien B (Florian Lab)
2. Brass Band Zürich (Werner Kubli)
3. Brass Band Gürbetal (Joram Bots)
Wir geniessen eine kurze Pause im Salle Blanche. Um 12.15 Uhr geht es mit der Elite weiter. Vergessen Sie nicht, Ihre Rangliste in der BrassApp zu erstellen. Das Voting für die 3. Klasse wird in einer halben Stunde geschlossen.
Seit 10.30 Uhr läuft der Wettbewerb der 2. Klasse im Luzerner Saal. Lucerne Dances von Philip Sparke ist für die 16 teilnehmenden Bands geschrieben worden. In unserer Vorschau haben wir das Stück unter die Lupe genommen.
Startnummer 5: MG Ufhusen (Sandro Frautschi)
Bereits die letzte Band dieser Kategorie ist an der Reihe und eröffnet ihren Vortrag kristallklar. Sie lassen das Stück einfach wirken und wir können die letzte Version von Thought Gap geniessen. Sie vermögen es, den hohen Unterhaltungswert des Werks zu übermitteln und die verschiedenen Teile gekonnt zu gestalten.
MVP: Flügelhorn
Was für ein Wettbewerb heute Morgen! Die Bands machen es der Jury nicht einfach.
Michael Franz
----
Der fulminante Auftakt der Meisterschaften zum 50-jährigen Jubiläum findet seinen krönenden Abschluss mit der fünften hochkarätigen Aufführung von Simon Dobsons stets einfallsreichem Teststück Thought Gap.
Auch diese Interpretation der Partitur durch den Dirigenten ist wieder einmal gelungen und tiefgründig – sie lässt der Musik Zeit und Raum für Klarheit, selbst in den dichtesten Momenten.
Ein feiner, düsterer Auftakt erzeugte Atmosphäre und Puls, während der Mittelteil mit seinem schönen, zarten Fluss - erneut unterstützt durch exzellente Melodielinien - und einem Gefühl der Ruhe, überzeugte. Ein etwas entspannterer Ausatmer zum Schluss des zweiten Satzes hätte dem Stück gutgetan. Es wirkte etwas, als wäre ihnen der Atem ausgegangen.
Das Finale vermittelt ein wunderbares Gefühl von wachsender Spannung, ohne dabei übertrieben zu wirken. Der kleine Sprint in der Coda war ein gelungener Abschluss einer erstklassigen Darbietung in einem hochkarätigen Wettbewerb.
Iwan Fox, 4barsrest
Kommentar