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- Michael Franz

12 Jahre MUSIKINSEL Rheinau: Wie weiter?

Die Stiftung zieht eine positive Bilanz, schreibt aber weiterhin rote Zahlen. Im März 2027 fällt eine Entscheidung über die Zukunft des Probezentrums im Kloster Rheinau.

Die MUSIKINSEL im ehemaligen Kloster Rheinau ist ein Opfer ihres eigenen Erfolgs. Zwölf Jahre nach der Eröffnung im Mai 2014 hat das Schweizer Probezentrum, das Proben, Essen und Übernachten unter einem Dach anbietet, rund 85'000 Übernachtungen verbucht. Das gab die Stiftung Schweizer Musikinsel Rheinau an einer Medienkonferenz am 13. Oktober bekannt. Und das, obwohl der Betrieb während der Corona-Pandemie zeitweise fast vollständig eingestellt werden musste.

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Ein traumhafter Ort (Bild: MUSIKINSEL)

Gefragt wie nie, aber ausgebucht

Mit jährlich rund 8'000 Übernachtungen stösst das Haus an seine Grenzen. Die Nachfrage konzentriert sich stark auf die Wochenenden, weil die meisten Gäste ihre Musik in der Freizeit betreiben. Der Konzertkalender verschärft dies: Wer vor Weihnachten auftritt, probt im September, Oktober und in der ersten Novemberhälfte. Allein seit Mitte 2025 musste die MUSIKINSEL Anfragen für über 2'100 Übernachtungen abweisen, weil keine Betten mehr frei waren.

Angeboten werden 133 Betten in 63 denkmalpflegerisch renovierten Zimmern sowie 16 Proberäume, darunter zwei Säle. Fünf Flügel und fünfzehn Klaviere stehen bereit. Die Akustik aller Räume wurde vom Akustiker Eckhard Kahle optimiert. Verpflegt wird im Refektorium, wo schon die Mönche assen, mit Blick auf den Rhein.

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Grosszügige Proberäume (Bild: MUSIKINSEL)

Vom Laienorchester bis zum Kinder-Opern-Orchester

Den Grossteil der Auslastung machen Laienformationen aus, die sich vor Auftritten oder Wettbewerben zurückziehen. Dazu kommen professionelle Ensembles, etwa die vier Tenöre von I Quattro, die hier jährlich ihr Weihnachtsprogramm einstudieren. Auch das Zürcher Jugendblasorchester probt regelmässig vor Ort.

Neu waren in diesem Jahr ein Kurs für junge Streicher nach der Suzuki-Methode sowie das vom Opernhaus Zürich durchgeführte Projekt «Kinder-Opern-Orchester». 90 Kinder von 35 Musikschulen des Kantons Zürich erarbeiteten dabei Opernliteratur und führten sie anschliessend im Opernhaus auf. Seit zwei Jahren verwandelt sich das Kloster im Januar zudem mit der Swiss Piping- & Drumming School in ein Stück Schottland. Die Rheinauer Meisterkurse und die Kurse der SIMA Swiss International Music Academy finden seit der Eröffnung jährlich statt. Zunehmend nutzen auch Seminare ohne Musikbezug die Ruhe des Hauses, für sie gilt allerdings eine höhere Preisliste.

Rote Zahlen trotz Auslastung

Das erklärte Ziel, operativ keine Verluste zu schreiben, wurde bisher nicht erreicht. Gedeckt wird dieser durch die Kapitalerträge der Stiftung, die mit ursprünglich 20 Millionen Franken ausgestattet wurde. Dank der guten Börsenlage liegt das Kapital derzeit sogar darüber, die Substanz blieb unangetastet. Der Betrieb gilt damit finanziell als gesichert. Für einen kostendeckenden Betrieb wären laut Stiftung mindestens 50 zusätzliche Betten nötig. Eine Steigerung der Auslastung ist mit den bestehenden Kapazitäten nicht mehr möglich.

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Mehr Betten sind nötig (Bild: MUSIKINSEL)

Streit um den Abttrakt

Genau hier liegt der Knackpunkt. Die Stiftung beantragte bereits 2021 beim Kanton Zürich, den noch nicht renovierten Abttrakt für weitere Zimmer zu prüfen. Dort soll aber auch ein Museum Platz finden. Nach einem Hin und Her entschied der Regierungsrat am 9. April 2025 über eine gemeinsame Nutzung. Für das Projekt gilt ein Kostendach von 20 Millionen Franken. Vorgesehen waren zunächst rund 40 Betten und vier Proberäume. Seit Januar 2026 läuft die Planung des Vorprojekts, wobei sich die Zahl der Betten auf 36 reduziert hat. Die Inbetriebnahme ist frühestens 2030 geplant. Die Stiftung bedauert die Entwicklung und weist darauf hin, dass das Museum die MUSIKINSEL stark einschränke.

Entscheid im März 2027

Der 2013 abgeschlossene Mietvertrag läuft bis 31. März 2029. Der Stiftungsrat muss im März 2027 entscheiden, ob er die Option auf eine Verlängerung um fünf Jahre bis 2034 zieht. Eine zweite Verlängerung bis 2039 wäre möglich. Alternativ könnte die Stiftung den Betrieb an einem neuen Standort mit grösserer Kapazität fortführen. Von der Realisierung der Erweiterung hänge ab, wie lange die MUSIKINSEL in Rheinau bleibe.

Die Stiftung warnt zudem vor einem Teufelskreis: Zu viele Absagen mangels Betten könnten dazu führen, dass das Haus gar nicht mehr angefragt werde. Dass ein Bedürfnis nach einem solchen Angebot bestehe, sei in den vergangenen zwölf Jahren jedoch bewiesen worden.

Die Stiftung wurde 2009 von Christoph Blocher gegründet, der ihr als Präsident vorsteht. Im Stiftungsrat sitzen zudem Rahel Blocher, Matthias Baumann und Walter Eberle. Die MUSIKINSEL wird von Carmen Kalberer geleitet. An der Medienkonferenz berichteten Gäste von ihren Erfahrungen, darunter Ruedi Attinger von der Swiss Piping- & Drumming School, der pensionierte Kantonsschullehrer Harri Bläsi und Stefanie Hauri-Fischli vom Zürcher Jugendblasorchester.

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