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- David Wildisen

Als «Probeorchester» für Dirigentinnen und Dirigenten

Wo machen angehende Dirigentinnen und Dirigenten eigentlich ihre ersten Erfahrungen? Die Regional Brass Band Bern (RBB) arbeitet eng mit der Hochschule der Künste Bern (HKB) zusammen und bietet Direktionsstudierenden die Möglichkeit, erste Gehversuche vor einer Brass Band zu machen.

Als Musikerin oder Musiker ist der Weg des Lernens eines Instruments häufig ähnlich: Nach den ersten Gehversuchen am Instrument folgen Unterricht bei einer Lehrperson und unzählige individuelle Probestunden zuhause – und schliesslich der Schritt in eine Brass Band oder eine andere Orchesterformation. Im Zusammenspiel mit erfahrenen Musikerinnen und Musikern lassen sich dort wertvolle Erfahrungen sammeln und die eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln.

Für angehende Dirigentinnen und Dirigenten gestaltet sich dieser letzte Schritt etwas schwieriger. Unterricht und das Üben von Schlagmustern vor dem Spiegel lassen sich vergleichsweise einfach umsetzen. Um jedoch die eigentliche Tätigkeit – das Dirigieren einer Brass Band oder eines Orchesters – zu üben, braucht es eine entsprechende Formation, die sich dafür zur Verfügung stellt.

Seit über 20 Jahren arbeitet die Regional Brass Band Bern (RBB) eng mit der Hochschule der Künste Bern (HKB) zusammen. Einmal pro Semester steht die RBB der HKB als «Probeorchester» zur Verfügung. Dabei proben meist zwei bis drei Studierende an einem Musikstück, das die RBB bereits kennt. Die Studierenden bereiten einen Teil des Stücks vor und können ihre Ideen mit der Band ausprobieren, einzelne Passagen proben und erleben, wie sich eine Brass Band dirigieren lässt. Die Dozentinnen und Dozenten haben ihre Schützlinge dabei stets im Blick und sind jederzeit bereit, Tipps und Tricks weiterzugeben. Diese können die Studierenden anschliessend gleich in die Tat umsetzen und direkt erleben, welche Wirkung ihre Anpassungen auf das Spiel der Band haben.

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Direktionsstudierende der HKB sammeln mit der RBB Erfahrungen am Taktstock.

Für die RBB sind diese Proben ebenfalls interessant. Dass an einer Probe gleich drei unterschiedliche Dirigentinnen und Dirigenten vor der Band stehen, kommt schliesslich nicht alle Tage vor. Gleichzeitig ist es faszinierend zu beobachten, welchen Einfluss bereits kleinste Nuancen im Dirigierstil auf die Spielweise einer Band haben können. Besonders schön ist es, die Entwicklung der Studierenden über die Jahre mitzuverfolgen. Von den ersten Versuchen bis zur abschliessenden Prüfung werden sie stetig sicherer und routinierter. Diese Prüfung findet ebenfalls mit der RBB als Probeorchester statt – unter den aufmerksamen Augen von Expertinnen und Experten. Auch unser heutiger Dirigent Jonas Danuser stand während seiner Ausbildung bereits vor der RBB und sammelte bei solchen Proben erste Erfahrungen.

Und auch die RBB kann von den Ideen der Studierenden profitieren. Es wäre schliesslich nicht das erste Mal, dass eine Idee eines Direktionsstudenten aus einer solchen Probe später sogar in die Wettbewerbsversion eines Stücks eingeflossen ist.

Auch für den einen oder anderen lustigen Moment ist bei den Proben gesorgt. Da die HKB regelmässig auch internationale Studierende unterrichtet, kommt es gelegentlich zu sprachlichen Missverständnissen. Zum Glück ist Musik eine Sprache, die auch ohne viele Worte funktioniert. Und es soll durchaus schon vorgekommen sein, dass einem Direktionsstudenten das gewünschte Tempo kurzerhand auf die Schultern geklopft wurde.

Die Zusammenarbeit zwischen der RBB und der HKB ist damit mehr als eine Gelegenheit für angehende Dirigentinnen und Dirigenten, erste Erfahrungen zu sammeln. Die Studierenden erhalten einen geschützten Rahmen, in dem sie ausprobieren, Fehler machen und dazulernen können – und die RBB bekommt dabei immer wieder einen interessanten Einblick in unterschiedliche Herangehensweisen an ein Stück.

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Unter der Leitung der Studierenden probt die RBB verschiedene Teile eines Musikstücks.

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