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- Samuel Schibli

Adventszauber in vollem Klang – Brass Band Emmental verzaubert mit musikalischen Höhepunkten

Was wäre die Adventszeit ohne jenen ganz besonderen Zauber, der sich zwischen Kerzenschein, stiller Besinnung und überschwänglicher Freude entfaltet? Die Brass Band Emmental hat diesen Geist am vorletzten Wochenende greifbar gemacht – bei ihren beiden traditionellen Adventskonzerten in der Stadtkirche Burgdorf und der Kirche Sumiswald. Und eines war sofort spürbar: Die Luft knisterte nicht nur vor Erwartung, sondern auch vor purer musikalischer Kraft. Denn die Kirchen waren bis auf den letzten Platz gefüllt – Menschen aller Altersgruppen lauschten gebannt, als ob die Zeit selbst innehielt.

Mit dem fulminanten Werk A Fantasy of Joy von Frederick Schielderup riss die Band ihr Publikum gleich zu Beginn in eine Welt aus Glanz und Grösse. Komponiert als Hommage zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven, webt das Stück kunstvoll Motive aus dessen berühmter Neunter Sinfonie in d-Moll in eine kraftvolle, heroische Klanglandschaft – prächtig, feierlich, fast triumphal. Ein Auftakt, der keine Fragen offenliess: Hier stand eine Formation auf der Bühne, die nicht nur spielt, sondern spricht – mit jedem Ton.

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Die Brass Band Emmental verzauberte das zahlreiche Publikum

Doch ebenso schnell verwandelte sich die Grossartigkeit in tiefste Innigkeit. Mit Song of Hope trat das Duett der beiden Cornetisten Lukas Schwendimann und Andreas Kaiser ins Rampenlicht – und zauberte Augenblicke voller Zartheit und Poesie. Ihre Klangfarben vereinten sich zu einem einzigen Atemzug, eine Melodie, die Hoffnung nicht nur verkündete, sondern spürbar machte. Still wurde es im Kirchenschiff – niemand wollte blinzeln, um nichts davon zu verpassen. Dann brach das Unwetter los. In Eric Whitacres Cloudburst wurde das Publikum nicht bloss Zeuge eines Gewitters – es war mittendrin. Donner rollte durch die Ränge, Blitze schienen in den Emporen zu zucken, Stimmen riefen verzweifelt nach Erlösung. Durch virtuos eingesetzte Chor- und Instrumentaleffekte liessen die Musiker die Kirchenwände erbeben. Man meinte, die Decke könnte abheben, so intensiv war die Spannung.

Nach diesem emotionalen Orkan bot Thomas Doss’ Momentum die dringend benötigte Pause – einen sanften Landepunkt. Eine ruhige, meditative Klangwolke, die müde Gedanken auffing und Seelen zum Atmen brachte. Für kurze Momente war der Alltagsstress draussen geblieben – hier herrschte reine musikalische Versöhnung. Und dann – wie aus dem Nichts – erklangen Glocken. Leise zunächst, dann immer deutlicher, als ob sie aus der Ferne herübergetragen würden. Mit Claude Debussys mystischem Meisterwerk La Cathédrale Engloutie tauchte die Band in die Legende der versunkenen Stadt Ys vor der Küste der Bretagne ein. An klaren Morgen, so sagt die Sage, steigt ihre Kathedrale aus dem Meer empor – und man hört die Glocken läuten. So klar, so nah klangen sie an diesem Abend, dass man glauben mochte, das Salzwasser riechen zu können.

Ein weiterer Höhepunkt folgte mit Wendy Müller am Flügelhorn. Ihr Solo in Only in Sleep war mehr als ein musikalischer Akt – es war ein Geschenk. Warm, innig, von solcher Emotionalität getragen, dass man kaum wagte zu atmen. Man sah es in den Gesichtern: Bei mancher Zuhörerin lief eine Träne die Wange hinab. Kein Applaus kam sofort – erst Totenstille, dann ein Aufatmen, das in donnernden Beifall mündete.

Der finale Schlussakkord des offiziellen Programms liess jedoch keine Traurigkeit aufkommen. Die Band präsentierte den dramatischen Schlusssatz aus Igor Strawinskys Feuervogel – ein feuerspeiendes Finale voller rhythmischer Härte, magischer Farben und ungezügelter Energie. Mit letztem Crescendo und einem gewaltigen Knall endete ein Konzertabend, der zugleich ein Triumph war: Ein würdiger Abschluss eines historischen Jahres, das mit dem Siegertitel am Luzerner Kantonal-Musikfest in Sursee und dem sensationellen Vize-Schweizermeistertitel in der Kategorie Elite in Luzern kulminierte. Zwei Zugaben folgten – und natürlich das traditionelle Stille Nacht, gespielt mit einer Zartheit, die zu Herzen ging. Lang anhaltender Beifall, strahlende Gesichter, tiefe Dankbarkeit – auf beiden Seiten der Bühne.

Die Brass Band Emmental bewies einmal mehr, dass sie weit mehr ist als eine Brass Band: Sie ist eine Gemeinschaft, die mit Herz, Disziplin und aussergewöhnlichem Talent gemeinsam Höchstleistungen vollbringt. Und während die Lichter langsam erloschen, blieb etwas zurück – nicht nur der Klang, sondern die Gewissheit: Auch im nächsten Jahr wird dieser Name wieder Töne wecken, die man nicht vergisst.

brass band emmental

 

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